Patchwork & moderne Familienformen - GenoEasy

Patchwork & moderne Familienformen

Mehrfach-Partnerschaften, gleichgeschlechtliche Eltern, Co-Parenting und reproduktive Hilfen — wie das Genogramm sich anpasst.

Die Standardsymbolik des Genogramms stammt aus den 1980er-Jahren. Moderne Familienformen — Patchwork, gleichgeschlechtliche Elternpaare, Co-Parenting, Reproduktionsmedizin — verlangen Erweiterungen, die McGoldrick in der vierten Auflage ihres Standardwerks systematisiert hat.

Patchwork-Genogramm mit mehreren Partnerschaften chronologisch geordnet
Mehrere Partnerschaften — chronologisch von rechts nach links.

Mehrere Partnerschaften

Wenn eine Person mehrere Ehen oder feste Partnerschaften hatte, werden die Partner:innen chronologisch angeordnet — die aktuelle Partnerschaft direkt neben der Hauptperson, frühere Partnerschaften weiter außen. Trennungen werden durch einen Schrägstrich auf der Verbindungslinie markiert, Scheidungen durch zwei Schrägstriche.

Kinder werden unter den jeweiligen Partnerschaften eingehängt, nicht zentriert unter der Hauptperson. So bleibt erkennbar, aus welcher Beziehung welches Kind stammt — eine Information, die in Patchwork-Konstellationen schnell unübersichtlich wird. Stiefeltern-Kind-Beziehungen werden mit einer gestrichelten Linie dargestellt — sie markiert die soziale, nicht-biologische Elternschaft.

Es gibt durchaus verschiedene sinnvolle Notationen für mehrere Partnerschaften. Viele Praktiker:innen zeichnen die Partner:innen konsequent in der Reihenfolge ihres Auftretens: die Hauptperson links, erste:r Partner:in rechts daneben, zweite:r Partner:in weiter rechts, dritte:r noch weiter rechts. Diese Anordnung hat den Vorteil, dass sich die Chronologie der Partnerschaften und die zeitliche Abfolge auf einen Blick ablesen lässt — besonders hilfreich bei komplexen Patchwork-Biografien mit drei oder mehr Beziehungen.

Genogramm mit zwei gleichgeschlechtlichen Müttern und zwei Kindern
Gleichgeschlechtliche Eltern — Symbol nach Geschlecht, Linie wie gewohnt.

Gleichgeschlechtliche Eltern und Co-Parenting

Die Standardsymbolik kennt Quadrat (männlich), Kreis (weiblich) und Raute (unbekannt oder nicht-binär). Gleichgeschlechtliche Elternpaare werden mit den entsprechenden Symbolen verbunden, ohne dass an der Beziehungslinie etwas geändert werden muss. Co-Parenting-Konstellationen sind komplexer:

Co-Parenting-Konstellation mit biologischen und sozialen Eltern
Co-Parenting — biologische und soziale Elternschaft kombiniert.
  • Zwei-Mütter-Familie mit Spendervater: beide Mütter mit durchgezogener Beziehungslinie, Spender separat mit gestrichelter Linie zum Kind.
  • Co-Parenting ohne Liebesbeziehung: gepunktete oder fehlende Verbindung zwischen den biologischen Eltern, durchgezogene Linien zu allen Kindern.
  • Mehrelternschaft: drei oder vier rechtlich anerkannte Elternteile — selten, aber juristisch in einigen Ländern möglich.

Die Beziehungslinien werden hier nicht aus Prinzip schwierig, sondern weil die soziale Realität es ist. Das Genogramm dokumentiert, was ist — nicht, was die Norm vorsieht.

Reproduktive Hilfen

Samenspende, Eizellspende, Leihmutterschaft und IVF haben eigene Symbole. Spender werden mit gestrichelter Linie zum Kind dargestellt, Leihmütter mit einer zusätzlichen Markierung. McGoldrick (4. Aufl.) enthält die vollständige erweiterte Symbolik; GenoEasy unterstützt sie.

Wichtig: Diese Markierungen gehören nur dann ins Genogramm, wenn sie für die Klient:in und die Fragestellung relevant sind. Ein Spendervater, dessen Existenz die Klient:in selbst kaum kennt, gehört nicht aus Vollständigkeitsgründen eingezeichnet.


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