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Fragetechniken

Zirkuläre Fragen — Karten-Sammlung für die systemische Praxis

20 erprobte zirkuläre Fragen mit Wirkungserläuterung, Anwendungs-Hinweisen und druckbarem Karten-Block zum Ausschneiden. Grundlage: Karl Tomm (1987/1988) und die Mailänder Schule.

Format: PDF Version: 1.1 Stand: 2026-06-03 Lizenz: CC BY 4.0 Sprache: DE

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Zirkuläre Fragen — Karten-Sammlung für die systemische Praxis

GenoEasy-Vorlage · Version 2.0 · Stand 2026-06-03 · Lesedauer ca. 25 min

Praxis-Material für Berater:innen, Therapeut:innen, Coaches in systemischen Kontexten. Diese Vorlage enthält 20 erprobte zirkuläre Fragen mit Wirkungserläuterung und einen druckbaren Karten-Block zum Ausschneiden für den Sitzungs-Einsatz. Grundlage sind die Originalarbeiten von Karl Tomm (1987/1988) und die Mailänder Schule (Selvini Palazzoli, Boscolo, Cecchin, Prata).

Was sind zirkuläre Fragen?

Zirkuläre Fragen sind eine systemische Fragetechnik, mit der Beziehungen, Unterschiede und Wechselwirkungen sichtbar gemacht werden — statt Eigenschaften zu erfragen. Anstatt zu fragen „Wie geht es Ihnen?", fragt eine zirkuläre Variante „Wer in der Familie merkt zuerst, wenn es Ihnen schlecht geht?" Aus der Eigenschaft („depressiv sein") wird eine Beziehung („Wer reagiert wie auf wen?").

Die Methode wurde Ende der 1970er Jahre vom Mailänder Team (Selvini Palazzoli, Boscolo, Cecchin, Prata) entwickelt und 1980 in der berühmten Hypothesizing — Circularity — Neutrality-Arbeit (Family Process 19) zum methodischen Programm erhoben. Karl Tomm systematisierte die Technik 1987 und 1988 in seiner zweiteiligen Reihe Interventive Interviewing (Family Process 26/27) zur heute gebräuchlichen Vier-Felder-Typologie.

Zirkuläre Fragen sind kein neutrales Erfassungsinstrument — sie sind Intervention durch Frage. Jede gut gestellte zirkuläre Frage stört das System leicht und öffnet einen Möglichkeitsraum, der vorher nicht sichtbar war. Sie sind damit ein zentrales Werkzeug der systemischen Beratung und unverzichtbar bei Genogramm-Arbeit.

Inhalt: Theoretischer Hintergrund · Wirkungs-Typologie nach Tomm · 20 Karten mit Frage, Wirkung, Variation und Stolperfallen · Anwendungs-Tipps · zwei vollständige Beispiel-Dialoge · FAQ · Druckhinweis-Cover · druckbare Karten-Sammlung (4 Seiten) · Quellen.


Theoretischer Hintergrund — Mailänder Schule und Karl Tomm

Die Mailänder Schule entstand in den 1970er Jahren als italienische Antwort auf die familientherapeutischen Schulen der USA (Bowen, Minuchin, Haley). Mara Selvini Palazzoli und ihr Team arbeiteten ursprünglich psychoanalytisch, wechselten dann unter dem Einfluss von Bateson und der Palo-Alto-Schule (MRI) zur systemischen Perspektive. Das 1980 in Family Process veröffentlichte Programm-Papier Hypothesizing — Circularity — Neutrality (HCN) gilt als Gründungsdokument der Mailänder Methode.

Drei methodische Prinzipien prägen den Ansatz: Erstens Hypothesizing — die Berater:innen entwickeln vor der Sitzung eine Annahme über die systemische Funktion des Symptoms und prüfen diese im Gespräch. Zweitens Circularity — sie fragen so, dass Beziehungs- und Unterschiedsinformationen sichtbar werden, nicht Eigenschaften. Drittens Neutrality — sie ergreifen Partei für keine Subgruppe und für keine Hypothese; spätere Reformulierungen (Cecchin 1987) sprechen statt von Neutralität von Neugier (curiosity) als Grundhaltung.

Karl Tomm, Familientherapeut in Calgary, hat in seiner Reihe Interventive Interviewing (Teil I 1987, Teil II 1987, Teil III 1988, alle in Family Process) die Mailänder Praxis weitergedacht und systematisiert. Seine Vier-Felder-Typologie unterscheidet Fragen nach zwei Achsen: dem Erkenntnis-Interesse (orientiert die Berater:in sich am System oder will sie es verändern?) und der Annahme über das System (lineare oder zirkuläre Kausalität).

Daraus ergeben sich vier Fragetypen:

  1. Lineare Fragen (orientierend, lineare Kausalität) — klassische W-Fragen zur Informationssammlung. „Wann hat es angefangen? Was ist passiert?"
  2. Zirkuläre Fragen (orientierend, zirkuläre Kausalität) — erfragen Beziehungen, Muster, Wechselwirkungen. „Wer merkt zuerst, wenn es X schlecht geht? Wie reagiert dann Y?"
  3. Strategische Fragen (verändernd, lineare Kausalität) — wollen Verhalten direkt beeinflussen. „Was würde passieren, wenn Sie morgen damit aufhören?"
  4. Reflexive Fragen (verändernd, zirkuläre Kausalität) — laden zum Perspektivwechsel ein, ohne zu drängen. „Angenommen, in einem Jahr sähe Ihre Tochter Sie sprechen — was würde sie über diese Sitzung sagen?"

Reflexive und zirkuläre Fragen bilden den Kern systemischer Gesprächsführung. Strategische Fragen sind in seriösen systemischen Schulen heute eher zurückhaltend eingesetzt — sie behandeln das Gegenüber als Objekt der Veränderung, nicht als Co-Konstruierende.

Im deutschsprachigen Raum wurde der Ansatz vor allem durch Schlippe & Schweitzer (Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung, V&R) und durch Carl-Auer-Autor:innen weitergegeben. Die hier vorgestellten 20 Karten orientieren sich an Tomms Originaltypologie, sind aber für die Beratungspraxis im deutschsprachigen Sozialwesen formuliert und durch praktische Hinweise ergänzt.

Wirkungs-Typologie — Vier Wirkungs-Felder nach Tomm

Jede zirkuläre Frage entfaltet ihre Wirkung in einem von vier Feldern. Die Zuordnung hilft bei der Wahl der richtigen Frage zum richtigen Zeitpunkt. Die folgenden Symbole erscheinen auf den Karten und im Karten-Druckbogen.

Feld B — Beziehungen sichtbar machen ◇

Beziehungs-Fragen erkunden, wie Personen im System aufeinander reagieren: Wer steht wem nahe, wer auf Distanz, wer ist Verbündete:r, wer Konflikt-Pol? Sie sind das Standardwerkzeug der Erstexploration und passen besonders gut zur Genogramm-Phase. Typische Form: „Wenn X traurig ist — wer in der Familie merkt es zuerst?"

Feld U — Unterschiede markieren ▽

Unterschieds-Fragen vergleichen Personen, Zeiten oder Situationen miteinander. Bateson formulierte: „Information ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht." Diese Fragen schaffen Information, indem sie Vergleichshorizonte einführen. Typische Form: „Wer leidet mehr darunter — Sie oder Ihre Partnerin? Was wäre, wenn die Reihenfolge umgekehrt wäre?"

Feld H — Hypothesen einführen △

Hypothetische und Zukunfts-Fragen öffnen einen „als-ob"-Raum, in dem Veränderung gedanklich durchgespielt werden kann, ohne dass jemand sich festlegen muss. Sie entlasten von Realitätsdruck und ermöglichen Probehandeln. Typische Form: „Angenommen, das Problem verschwände heute Nacht — wer würde es als Erste:r merken? Woran?"

Feld R — Reflexion anregen ○

Reflexive Fragen laden ein, die eigene Position oder die Sitzung selbst zu betrachten. Sie sind besonders behutsam und respektieren die Autonomie der Klient:in. Typische Form: „Wenn Sie diese Sitzung in einem Jahr Revue passieren lassen — was würde Ihnen rückblickend wichtig erscheinen?"

Hinweis zur Anwendung: Die vier Felder schließen sich nicht aus. Eine Frage kann mehrere Wirkungen entfalten; das Symbol auf der Karte zeigt die vorherrschende Wirkung. Wichtig ist nicht die Kategorie, sondern die Bewegung, die im Gespräch entsteht.

Die 20 Karten

Jede Karte enthält die Frage, ihre Wirkung, einen Hinweis zur Anwendung, eine Variation, eine kurze Beispielsituation und die häufigste Stolperfalle. Die Reihenfolge folgt der typischen Gesprächs-Dramaturgie: Beziehungen → Unterschiede → Hypothesen → Reflexion.

Karte 01 ◇ — Wer merkt zuerst?

Frage. „Wenn es Ihnen schlecht geht — wer in der Familie merkt es als Erste:r?"

Wirkung. Die Frage überführt eine individuelle Beschreibung („mir geht es schlecht") in eine Beziehungsinformation. Sie macht das Beobachter-Netzwerk sichtbar und zeigt, welche Person als emotionale Resonanz-Instanz fungiert.

Wann einsetzen. Frühe Phase des Gesprächs, sobald die Klient:in eine emotionale Befindlichkeit benennt. Besonders bei Genogramm-Arbeit in der Drei-Generationen-Phase produktiv.

Variation. „Und wer merkt es zuletzt — oder gar nicht?"

Beispielsituation. Klientin (38) beschreibt anhaltende Erschöpfung. Auf die Frage antwortet sie nach langer Pause: „Eigentlich erst mein Hund. Mein Mann fragt nie." Daraus entsteht der Einstieg in ein Gespräch über das Paar-Klima.

Stolperfalle. Wenn die Klient:in mit „niemand" antwortet, nicht ausweichen — die Antwort selbst ist wertvolle Information. Würdigen und behutsam nachfragen: „Wie lange ist das schon so?"

Karte 02 ◇ — Wer steht wem am nächsten?

Frage. „Wer in Ihrer Familie steht wem am nächsten — und wer ist am weitesten weg?"

Wirkung. Erkundet Subsysteme und Allianzen im Familiensystem. Liefert sofort eine grobe Beziehungslandkarte und ermöglicht Vergleichsfragen in den nächsten Schritten.

Wann einsetzen. Direkt nach Erstellung der Personen-Liste im Genogramm, vor der Eintragung von Beziehungslinien.

Variation. „Wenn Sie das mit Strichen aufmalen würden — wer wäre verbunden, wer wäre durchgestrichen?"

Beispielsituation. Kindergartenleiterin schildert Spannungen mit ihrer Schwester. Auf die Frage zeigt sich: Mutter und ältere Schwester bilden eine enge Diade, sie selbst und der jüngere Bruder eine zweite. Daraus entsteht die Hypothese eines symmetrischen Geschwister-Konflikts.

Stolperfalle. Nicht in Bewertungen abgleiten („Ist das gut so?") — bei der Beobachtungsfrage bleiben.

Karte 03 ◇ — Wenn X gefragt würde

Frage. „Wenn ich Ihre Mutter fragen würde, wer am meisten unter dieser Situation leidet — was würde sie antworten?"

Wirkung. Die klassische triadische Frage der Mailänder Schule. Sie führt die Perspektive einer abwesenden dritten Person ein, ohne dass diese anwesend sein muss. Schafft kognitive Distanz zur eigenen Sicht.

Wann einsetzen. Mittlere Gesprächsphase, wenn Eigenperspektive klar ist und Erweiterung sinnvoll wird.

Variation. „Und wenn Ihr Vater dieselbe Frage hörte — würde er anders antworten?"

Beispielsituation. Vater (44) im Erstgespräch zur Trennung von der Partnerin: Auf die Frage erkennt er, dass aus Sicht seiner Mutter „der Sohn am meisten leidet, weil er es immer allen recht machen will" — eine Selbstbeschreibung, die ihm selbst so nicht zugänglich war.

Stolperfalle. Nicht zur Spionage missbrauchen („Was würde sie über meinen Bruder sagen?"). Ethisch reflektieren: Was Anwesende über Abwesende sagen, bleibt eine Hypothese der anwesenden Person.

Karte 04 ◇ — Wer kümmert sich am meisten?

Frage. „Wer in der Familie kümmert sich am meisten um wen?"

Wirkung. Macht Fürsorge-Strukturen und parentifizierte Rollen sichtbar. In vielen Familien gibt es ein Kind, das früh die Eltern emotional versorgt — die Frage hilft, das ohne Vorwurf sichtbar zu machen.

Wann einsetzen. Besonders ergiebig bei Burnout-Themen, Konflikten um Pflege oder Über-Verantwortung.

Variation. „Und wer hat das Gefühl, zu kurz zu kommen?"

Beispielsituation. Klient (52) mit Erschöpfungssymptomatik: Auf die Frage zählt er Mutter, Schwester, Schwiegervater, beide Kinder auf — keine Person nennt sich selbst. Daraus entsteht der Einstieg in das Thema Selbstfürsorge.

Stolperfalle. Nicht moralisieren („Sie tun zu viel"). Die Frage liefert die Einsicht — die Klient:in entscheidet, was sie damit macht.

Karte 05 ◇ — Beziehungen zu Abwesenden

Frage. „Wenn Ihre verstorbene Großmutter heute in diesem Raum säße — was würde sie zu der Situation sagen?"

Wirkung. Bringt transgenerationale Loyalitäten und Vermächtnisse ins Gespräch. Verstorbene oder entfernte Familienmitglieder behalten oft Einfluss; die Frage macht ihn besprechbar.

Wann einsetzen. In der Vertiefungsphase, wenn das aktuelle Beziehungsnetz erfasst ist und Drei-Generationen-Themen auftauchen.

Variation. „Und was würden Sie heute zu ihr sagen, wenn sie es noch hören könnte?"

Beispielsituation. Klientin (60) im Genogramm-Prozess: Die Frage öffnet einen längeren Monolog über die Erwartung der verstorbenen Mutter „immer stark zu sein" — und über die Erlaubnis, diese Erwartung loszulassen.

Stolperfalle. Bei akuter Trauer (weniger als ein Jahr) vorsichtig sein — die Frage kann re-traumatisieren. Vor Einsatz Sicherheits-Frage stellen: „Wäre es für Sie heute in Ordnung, über sie zu sprechen?"

Karte 06 ▽ — Mehr oder weniger?

Frage. „Wer leidet mehr darunter — Sie oder Ihre Partnerin?"

Wirkung. Klassische Unterschieds-Frage. Erzwingt eine Vergleichs-Beobachtung und liefert dadurch Information, die sonst im „Allen geht es schlecht" verschwimmt.

Wann einsetzen. Bei Paar- und Familiengesprächen, sobald geteiltes Leid benannt wird.

Variation. „Und wer würde am ehesten zugeben, dass es ihm/ihr schlecht geht?"

Beispielsituation. Paar im Konflikt um Kinderwunsch: Auf die Frage antwortet sie „Ich" und er „Ich glaube, auch ich — aber ich darf das nicht sagen." Daraus entsteht die zentrale Wendung der Sitzung.

Stolperfalle. Nicht als Schuldfrage missdeuten lassen. Wenn nötig vorab framen: „Das ist keine Konkurrenz-Frage — manchmal hilft es zu sehen, wer das Leid sichtbarer zeigt."

Karte 07 ▽ — Wann ist es stärker, wann schwächer?

Frage. „Wann im Tagesverlauf ist das Problem am stärksten — und wann am schwächsten?"

Wirkung. Führt Zeit-Unterschiede ein und liefert oft den ersten Hinweis auf Ausnahmen (die in der Lösungsorientierung zentral sind). Auch wenn etwas „immer da" beschrieben wird, gibt es fast nie keine Schwankungen.

Wann einsetzen. Bei Beschreibungen von Stimmungen, Schmerzen, Streit, Symptomen — jede chronische Beschreibung.

Variation. „Wo sind Sie, wenn es am schwächsten ist? Mit wem?"

Beispielsituation. Klientin mit Migräne: Auf die Frage erkennt sie, dass die Schmerzen „in der zweiten Tageshälfte" und „besonders mittwochs und donnerstags" zunehmen — Tage, an denen ihre Mutter zu Besuch kommt.

Stolperfalle. Bei Antwort „immer gleich stark" nicht aufgeben — variieren: „Wenn Sie schliefen, hatten Sie es da auch? Und beim Aufwachen?"

Karte 08 ▽ — Vorher und nachher

Frage. „Was war anders, bevor das Problem da war? Wer war Sie damals?"

Wirkung. Markiert den Unterschied vor / nach der Symptom-Entstehung und führt in die Biografie. Hilft, das Problem als gewordenes, nicht als wesenhaftes zu sehen.

Wann einsetzen. Wenn ein Problem als „schon immer so" beschrieben wird oder die Klient:in sich mit ihm identifiziert.

Variation. „Welcher Teil von Ihnen kommt zu kurz, seit das Problem da ist?"

Beispielsituation. Klient (35) mit sozialen Ängsten: „Mit 22 war ich Frontmann einer Band. Das war ein anderer Mensch." Daraus entsteht der Faden zu Ressourcen aus der eigenen Geschichte.

Stolperfalle. Nicht in nostalgische Verklärung kippen lassen. Wenn das Vorher idealisiert wird, behutsam differenzieren.

Karte 09 ▽ — Unterschied zwischen Personen

Frage. „Wer reagiert auf das Problem ähnlich wie Sie — und wer ganz anders?"

Wirkung. Liefert eine Reaktions-Typologie im System und zeigt Bündnis- und Distanz-Linien indirekt. Auch produktiv, um eigene Reaktionsweisen zu kontextualisieren („Ich bin nicht die Einzige").

Wann einsetzen. Wenn die Klient:in sich allein mit ihrer Reaktion fühlt oder sich für ihre Reaktionsweise abwertet.

Variation. „Wer im System reagiert am gelassensten? Was macht der/die anders?"

Beispielsituation. Klientin mit hoher Reizbarkeit bei Konflikten: „Mein Bruder reagiert wie ich, mein Vater geht weg, meine Mutter wird kalt." Aus dem Vergleich entsteht ein neues Selbstbild („Ich bin nicht falsch, ich bin wie mein Bruder — was hat der für eine Strategie gefunden?").

Stolperfalle. Nicht zur Diagnostik anderer verleiten lassen. Bei der Funktion bleiben: Vergleich, nicht Bewertung.

Karte 10 ▽ — Skala der Veränderung

Frage. „Auf einer Skala von 1 bis 10 — wo standen Sie vor einem Jahr, wo heute, wo möchten Sie in einem Jahr stehen?"

Wirkung. Macht Veränderung quantitativ greifbar und verbindet zirkuläre mit lösungsorientierter Logik (de Shazer / Berg). Eignet sich auch als Verlaufs-Marker zwischen Sitzungen.

Wann einsetzen. Sowohl im Erstgespräch als auch zur Verlaufsdiagnostik nach 5–10 Sitzungen.

Variation. „Was wäre ein Punkt höher? Woran würden Sie es merken?"

Beispielsituation. Klient (28) im Coaching: vor Jahr „2", heute „5", in einem Jahr „7". Die Differenz „heute zu Ziel" wird zum Arbeitsauftrag.

Stolperfalle. Nicht über die Zahl streiten — die Skala ist Sprachsystem, kein Messinstrument. Wer „4,5" sagt, hat 4,5.

Karte 11 △ — Wunderfrage zirkulär

Frage. „Angenommen, heute Nacht geschähe ein Wunder und das Problem wäre weg — wer in Ihrer Familie würde es als Erste:r bemerken? Woran?"

Wirkung. Verbindet die Wunderfrage (de Shazer) mit der triadischen Perspektive. Macht eine wünschenswerte Zukunft nicht nur denkbar, sondern beziehungsspezifisch konkret.

Wann einsetzen. Im mittleren Gespräch, wenn das Problem ausreichend beschrieben ist und ein Möglichkeitsraum geöffnet werden soll.

Variation. „Und was würde Ihr Sohn am Frühstückstisch sagen?"

Beispielsituation. Mutter (40) erschöpft: „Mein Mann würde es am Morgen merken, wenn ich lächle. Mein Sohn würde fragen, warum ich Musik anhabe." Konkrete Verhaltens-Marker werden zu Mini-Zielen.

Stolperfalle. Nicht zu früh einsetzen — wer das Problem noch nicht hinreichend würdigen konnte, erlebt die Wunderfrage als Übergehung.

Karte 12 △ — Verschlimmerungs-Frage

Frage. „Angenommen, Sie wollten erreichen, dass es übermorgen noch schlimmer wird — was müssten Sie tun?"

Wirkung. Paradoxe Form der Hypothesen-Frage. Macht eigene Beiträge zum Aufrechterhalten des Problems sichtbar — ohne Schuld-Vorwurf. Klassisch in der Mailänder Tradition.

Wann einsetzen. Mittlere bis späte Phase, nachdem Vertrauen aufgebaut ist und die Klient:in Humor zulässt.

Variation. „Was müssten andere im System tun? Wer könnte am wirksamsten verschlimmern?"

Beispielsituation. Klient (44) im Burnout-Coaching: „Ich müsste noch mehr Termine annehmen, abends arbeiten, Mails am Wochenende beantworten." Die Antwort ist gleichzeitig die Beschreibung des aktuellen Verhaltens.

Stolperfalle. Niemals bei Suizidalität, akuten Krisen oder Trauma einsetzen — paradoxe Interventionen brauchen tragfähigen Kontext.

Karte 13 △ — Zukunft fragen

Frage. „Angenommen, in drei Jahren sähen Sie sich von außen — wer hätte sich am meisten verändert? Wer am wenigsten?"

Wirkung. Öffnet einen mittelfristigen Zukunfts-Horizont und macht die Klient:in zur Beobachter:in ihrer selbst. Reduziert akuten Veränderungs-Druck und schafft Perspektive.

Wann einsetzen. Übergangsphasen, biografische Wendepunkte, Burnout, Trennung, Diagnose.

Variation. „Und was wäre der erste kleine Schritt in diese Richtung — heute Abend?"

Beispielsituation. Klientin (50) nach Diagnose chronische Erkrankung: „Ich hätte mich am meisten verändert. Mein Mann am wenigsten. Meine Kinder dazwischen." Daraus entsteht die zentrale Frage: Welche Veränderung will sie aktiv gestalten?

Stolperfalle. Bei Klient:innen ohne realistische Zukunfts-Perspektive (akute Suizidalität, terminale Diagnose ohne Bearbeitungsraum) nicht passend.

Karte 14 △ — Wenn-Sie-tauschen-könnten

Frage. „Wenn Sie heute für einen Tag mit einer Person aus Ihrer Familie tauschen könnten — mit wem? Was würden Sie tun?"

Wirkung. Eine Perspektivenübernahme-Frage, die spielerisch in fremde Rollen einlädt. Macht Wünsche an Andere sichtbar (oft als Wünsche an sich selbst).

Wann einsetzen. Wenn ein Konflikt mit einer bestimmten Person zentral ist oder wenn Empathie für andere fehlt.

Variation. „Und wer wäre umgekehrt am liebsten Sie?"

Beispielsituation. Vater (40) im Konflikt mit Teenager-Sohn: „Ich würde mit ihm tauschen. Ich würde einen Tag lang nichts müssen." Die Antwort liefert sowohl Empathie als auch Selbst-Erkenntnis.

Stolperfalle. Nicht zur Identifikations-Falle werden lassen („Ich wäre lieber X als ich"). Behutsam zurück zur eigenen Position führen.

Karte 15 △ — Symptom als Botschaft

Frage. „Wenn Ihr Symptom sprechen könnte — was würde es Ihnen sagen wollen?"

Wirkung. Personifiziert das Symptom und schafft Distanz zwischen Person und Problem (siehe auch Narrative Therapie, M. White). Öffnet einen Dialog mit dem Inneren.

Wann einsetzen. Bei somatischen Symptomen, Zwängen, wiederkehrenden Krisen — wenn die Klient:in das Symptom als Eindringling erlebt.

Variation. „Und wenn das Symptom Ihrer Tochter etwas sagen könnte — was wäre das?"

Beispielsituation. Klientin (45) mit Panikattacken: „Es würde sagen: ‚Hör endlich auf, alles allein zu tragen.'" Daraus entwickelt sich das zentrale Thema der nächsten Sitzungen.

Stolperfalle. Nicht bei psychotischem Erleben einsetzen — die Personifizierung kann verstärkend wirken.

Karte 16 ○ — Rückblick auf diese Sitzung

Frage. „Wenn Sie diese Sitzung in einem Jahr erinnern — was wird Ihnen rückblickend wichtig erscheinen?"

Wirkung. Klassische reflexive Frage im Sinne Tomms. Lädt zur Beobachtung der Beobachtung ein und gibt der Klient:in die Hoheit über die Bedeutungs-Zuschreibung der Sitzung.

Wann einsetzen. Gegen Ende einer Sitzung, oft als letzte oder vorletzte Frage.

Variation. „Was würden Sie sich von heute aus für das nächste Mal wünschen?"

Beispielsituation. Klient (38) am Sitzungsende: nach längerem Schweigen: „Dass ich das mit meinem Vater jetzt sagen werde." Wird zur Selbstverpflichtung ohne Druck der Berater:in.

Stolperfalle. Erwarten Sie keine schnelle Antwort. Schweigen aushalten — die Frage braucht Raum.

Karte 17 ○ — Wenn Sie sich selbst beraten würden

Frage. „Wenn Sie als Berater:in einer Person mit Ihrem Anliegen gegenübersäßen — was würden Sie ihr raten?"

Wirkung. Aktiviert die innere Beraterin und macht sichtbar, dass die Klient:in oft mehr Wissen hat, als sie sich selbst zugesteht. Stärkt Selbstwirksamkeit.

Wann einsetzen. Wenn die Klient:in Rat sucht und Sie nicht in die Expert:innen-Position kippen wollen.

Variation. „Und wenn die Person Ihr Sohn / Ihre Tochter wäre — was würden Sie sagen?"

Beispielsituation. Coaching-Klient: „Ich würde ihm sagen, er soll endlich aufhören, die Erlaubnis seines Vaters zu suchen." Der Klient hört sich selbst zu.

Stolperfalle. Nicht als Test missbrauchen („Sie wissen es doch selbst, warum machen Sie es nicht?"). Würdigen, nicht konfrontieren.

Karte 18 ○ — Was wäre, wenn das Problem nützlich wäre?

Frage. „Angenommen, das Problem hätte eine Funktion — wofür wäre es gut?"

Wirkung. Funktionale Umdeutung (Reframing). Eröffnet den Gedanken, dass auch belastende Phänomene einen Sinn im System haben können. Klassische systemische Hypothese.

Wann einsetzen. Mittlere bis späte Phase, wenn Vertrauen besteht und die Klient:in zu Reflexion bereit ist.

Variation. „Wem im System nützt das Problem? Auch wenn niemand das wollen würde?"

Beispielsituation. Klientin mit Erschöpfungs-Diagnose: „Es zwingt meinen Mann, sich endlich um die Kinder zu kümmern." Daraus entsteht die Frage nach anderen Wegen für dasselbe Ziel.

Stolperfalle. Nie bei Gewalt, Trauma oder akuter Krise — funktionale Umdeutungen können retraumatisierend wirken. Niemals nahelegen, dass die Klient:in „das Problem ja behält, weil es ihr nützt".

Karte 19 ○ — Was würden Sie sich nicht mehr fragen lassen wollen?

Frage. „Welche Frage von außen wollen Sie nicht mehr beantworten müssen?"

Wirkung. Macht Erwartungs- und Rechenschafts-Lasten sichtbar und gibt der Klient:in Erlaubnis zur Abgrenzung. Reflektiert die eigene Position im sozialen Feld.

Wann einsetzen. Wenn Außendruck (Familie, Arbeit, Verwandtschaft) ein zentrales Thema ist.

Variation. „Und welche Frage wollten Sie sich selbst nicht mehr stellen?"

Beispielsituation. Klientin (38, kinderlos): „Wann es denn endlich so weit sei." Aus dem Reflex-Schmerz wird Klarheit über Grenzen.

Stolperfalle. Antwort würdigen, nicht „helfen" wollen mit Tipps zur Abgrenzung — das gehört in eine spätere Phase.

Karte 20 ○ — Was darf bleiben?

Frage. „Wenn vieles sich ändert — was soll auf jeden Fall bleiben?"

Wirkung. Bewahrungs-Frage — würdigt das, was die Klient:in als wertvoll erlebt und nicht in Veränderungs-Wirbel auflösen will. Hilft, Veränderung dosiert und identitätserhaltend zu denken.

Wann einsetzen. Bei großen Veränderungs-Prozessen (Trennung, Umzug, Pensionierung, Tod). Auch als sanfter Sitzungs-Abschluss.

Variation. „Was wollen Sie unbedingt aus Ihrer Herkunftsfamilie mitnehmen — was nicht?"

Beispielsituation. Klient (62) vor Pensionierung: „Die morgendliche Routine. Den Kaffee mit meiner Frau. Den Spaziergang." Die Frage macht Identitäts-Kerne sichtbar, die in Veränderung tragen.

Stolperfalle. Keine. Die Frage ist robust und schließt fast jede Sitzung gut ab.


Anwendungs-Tipps für die Praxis

Eine Frage pro Minute reicht. Zirkuläre Fragen wirken nicht durch Quantität, sondern durch den Raum, der ihnen folgt. Stellen Sie eine, warten Sie 30–60 Sekunden, lassen Sie die Klient:in nachdenken. Schweigen ist Teil der Frage.

Triadisch fragen heißt ethisch fragen. Wenn Sie eine abwesende Person zitieren, achten Sie darauf, dass Sie keine Aussagen über sie produzieren, sondern eine Hypothese der anwesenden Person erfragen. „Was würde Ihre Mutter sagen?" ist ein Gedanken-Experiment, kein Urteil.

Verbinden Sie Karten in Sequenzen. Eine starke Dramaturgie: Karte 02 (Beziehungs-Landkarte) → Karte 07 (Wann stärker, wann schwächer) → Karte 11 (Wunderfrage zirkulär) → Karte 16 (Rückblick). Das ergibt einen Bogen vom System zur Ressource.

Bei Kindern und Jugendlichen funktionieren konkrete und bildhafte Fragen besser als abstrakte. Karte 03 (Wenn X gefragt würde) und Karte 14 (Tausch-Frage) sind hier besonders ergiebig. Karte 12 (Verschlimmerungs-Frage) ist bei Kindern meist nicht passend.

In Krisensituationen (akute Suizidalität, frische Trauer, Trauma-Aktivierung, Psychose) sind zirkuläre Fragen oft kontraindiziert. Erst stabilisieren, dann öffnen. Karten 12, 15, 18 sind in solchen Phasen explizit nicht zu verwenden.

Bei Paarberatung beide Personen mit derselben Frage einzeln antworten lassen — Unterschiede in den Antworten sind die wertvollste Information.

Was zirkuläre Fragen NICHT sind: Sie sind kein Verhör (keine Antwort erzwingen), keine Diagnostik (keine Etikettierung erzeugen), keine Lösungs-Lieferung (keine Antwort des Beraters in Frageform), keine paradoxe Intervention im engeren Sinne (nicht manipulativ verschreibend). Sie sind eine Form respektvoller, mitlaufender Neugier.

Beispiel-Dialog 1 — Erstgespräch mit Erschöpfungs-Symptomatik

Setting. Klientin (44), Sozialpädagogin in einer Erziehungsberatungsstelle, kommt wegen anhaltender Erschöpfung. Erstgespräch, 50 Minuten.

B: „Wer in Ihrer Familie merkt eigentlich zuerst, wenn es Ihnen schlecht geht?" (Karte 01)

K: (Lange Pause.) „Ehrlich? Meine Tochter. Sie ist zehn."

B: „Hmm. Und Ihr Mann?"

K: „Der fragt nicht. Der merkt es vielleicht — aber er fragt nicht."

B: „Wenn ich Ihren Mann fragen würde — wer in der Familie sorgt sich am meisten um Sie — was würde er sagen?" (Karte 03)

K: (Stutzt.) „Er würde wahrscheinlich sagen: ich sorge mich. Aber ich weiß nicht, wie ich es zeigen soll." (Pause.) „Das ist eigentlich überraschend für mich, dass ich das jetzt so sage."

B: „Wenn Sie heute mit einer Person aus Ihrer Familie für einen Tag tauschen könnten — mit wem?" (Karte 14)

K: „Mit meiner Tochter. Ich würde einen ganzen Tag spielen und nichts müssen."

B: „Was ist der kleinste Schritt in diese Richtung, den Sie diese Woche tatsächlich tun könnten?"

K: (Lacht zum ersten Mal.) „Eine Stunde am Samstag. Nur mit ihr. Ohne Handy."

Kommentar. In zehn Minuten haben drei zirkuläre Fragen die zentrale Beziehungs-Struktur der Familie und einen ersten konkreten Schritt sichtbar gemacht. Die Klientin hat sich selbst etwas gesagt, was sie vor der Sitzung nicht hätte sagen können.

Beispiel-Dialog 2 — Paarberatung bei Trennungs-Überlegung

Setting. Paar Mitte 40, drei gemeinsame Kinder. Sie hat Trennung angekündigt, er ist überrascht. Sitzung 3, beide anwesend.

B (an sie): „Wenn ich Ihren Mann fragen würde, wer mehr darunter leidet, dass Sie an Trennung denken — was würde er sagen?" (Karte 03/06 kombiniert)

Sie: „Er würde sagen: er. Aber ich glaube, ich leide auch."

B (an ihn): „Stimmt das?"

Er: „Ja. Ich dachte nicht, dass sie auch leidet. Ich dachte, sie hat schon entschieden."

B: „Auf einer Skala — wo standen Sie als Paar vor einem Jahr, wo heute, wo möchten Sie in einem Jahr stehen? Jeder für sich." (Karte 10)

Sie: „Vor einem Jahr 4. Heute 2. In einem Jahr — ich weiß nicht. Vielleicht 6, aber getrennt."

Er: „Vor einem Jahr 6. Heute 3. In einem Jahr 7 — wenn wir was ändern."

B: „Sie sehen eine 6 getrennt — er eine 7 mit Veränderung. Was wäre, wenn Sie sich übermorgen entscheiden müssten, ob es eine Trennung ist oder ein Veränderungs-Projekt — was müssten Sie wissen, um das entscheiden zu können?"

Sie: (Pause.) „Ob er wirklich versteht, was passiert ist."

Er: „Ob sie noch will, dass ich es verstehe."

Kommentar. Drei Fragen, eine Stunde Material. Die Frage hat keine Lösung produziert, aber die Entscheidung in eine bearbeitbare Form gebracht.


FAQ — Sechs zentrale Fragen aus der Praxis

1. Wie viele zirkuläre Fragen pro Sitzung sind sinnvoll? In der Regel reichen 3–6 gut gestellte Fragen für eine 50-minütige Sitzung. Mehr ist kontraproduktiv — der Raum zwischen den Fragen ist Teil der Methode.

2. Was tun, wenn die Klient:in „weiß ich nicht" sagt? Nicht erleichtert weitergehen. „Weiß ich nicht" ist oft die ehrlichste Antwort und der Beginn einer wertvollen Reflexion. Stille aushalten, dann ggf. die Frage variieren.

3. Funktioniert das auch in der Einzelberatung ohne Familie? Ja, ausdrücklich. Triadische Fragen (Karten 03, 05, 11) sind in der Einzelarbeit besonders ergiebig, weil sie die abwesenden Personen kognitiv präsent machen.

4. Sind zirkuläre Fragen manipulativ? Sie sind Intervention durch Frage — jede gute Frage verändert etwas. Manipulativ werden sie, wenn die Berater:in die Antwort schon kennt und sie nur lenkend fragt. Daher: vor der Frage die eigene Hypothese kennen, aber Neugier auf die Antwort behalten.

5. Was unterscheidet sie von Lösungsfokussierten Fragen? Lösungsfokussierte Fragen (de Shazer/Berg) lenken Aufmerksamkeit auf Ausnahmen, Ressourcen und Ziele. Zirkuläre Fragen erkunden Beziehungen und Unterschiede. Beide Schulen kombinieren sich produktiv — viele moderne systemische Berater:innen arbeiten integrativ.

6. Wann sind zirkuläre Fragen kontraindiziert? Bei akuter Suizidalität, frischem Trauma, akuter Psychose, schwerer Dissoziation. In diesen Phasen geht Stabilisierung und konkrete Beziehung vor systemische Reflexion. Auch bei Klient:innen mit kognitiver Beeinträchtigung sollten Fragen konkret und nicht hypothetisch gestellt werden.


Karten-Sammlung — Druckhinweis

Die folgenden vier Seiten enthalten alle 20 Karten im Visitenkarten-Format (ca. 85 × 55 mm). Bitte beachten Sie:

  • Auf festem Papier drucken — 160–200 g/m² empfohlen. Auf normalem Druckerpapier knicken die Karten schnell.
  • Skalierung „Tatsächliche Größe" / „100 %" wählen, nicht „An Seite anpassen" — sonst stimmen die Maße nicht.
  • An den gestrichelten Linien schneiden — am besten mit Lineal und Cutter oder mit einem Schneidegerät. 5 Karten pro A4-Seite, 4 Seiten ergeben 20 Karten.
  • Optional laminieren — für den Sitzungs-Einsatz empfiehlt sich Folien-Laminierung 80 µm.
  • Karten-Symbol oben rechts zeigt die Wirkung: ◇ Beziehung, ▽ Unterschied, △ Hypothese, ○ Reflexion.
Bogen 1 von 4 — Karten 01 bis 05
◇ Beziehung
„Wenn es Ihnen schlecht geht — wer in der Familie merkt es als Erste:r?"
01
◇ Beziehung
„Wer in Ihrer Familie steht wem am nächsten — und wer ist am weitesten weg?"
02
◇ Beziehung
„Wenn ich Ihre Mutter fragen würde, wer am meisten unter dieser Situation leidet — was würde sie antworten?"
03
◇ Beziehung
„Wer in der Familie kümmert sich am meisten um wen?"
04
◇ Beziehung
„Wenn Ihre verstorbene Großmutter heute hier säße — was würde sie zur Situation sagen?"
05

An den gestrichelten Linien schneiden — 5 Karten pro Seite

Bogen 2 von 4 — Karten 06 bis 10
▽ Unterschied
„Wer leidet mehr darunter — Sie oder Ihre Partnerin?"
06
▽ Unterschied
„Wann im Tagesverlauf ist das Problem am stärksten — und wann am schwächsten?"
07
▽ Unterschied
„Was war anders, bevor das Problem da war? Wer waren Sie damals?"
08
▽ Unterschied
„Wer reagiert auf das Problem ähnlich wie Sie — und wer ganz anders?"
09
▽ Unterschied
„Auf einer Skala 1–10: vor einem Jahr, heute, in einem Jahr — wo stehen Sie?"
10

An den gestrichelten Linien schneiden — 5 Karten pro Seite

Bogen 3 von 4 — Karten 11 bis 15
△ Hypothese
„Angenommen, heute Nacht geschähe ein Wunder und das Problem wäre weg — wer würde es als Erste:r bemerken?"
11
△ Hypothese
„Angenommen, Sie wollten erreichen, dass es übermorgen noch schlimmer wird — was müssten Sie tun?"
12
△ Hypothese
„Angenommen, in drei Jahren sähen Sie sich von außen — wer hätte sich am meisten verändert?"
13
△ Hypothese
„Wenn Sie heute für einen Tag mit einer Person aus Ihrer Familie tauschen könnten — mit wem?"
14
△ Hypothese
„Wenn Ihr Symptom sprechen könnte — was würde es Ihnen sagen wollen?"
15

An den gestrichelten Linien schneiden — 5 Karten pro Seite

Bogen 4 von 4 — Karten 16 bis 20
○ Reflexion
„Wenn Sie diese Sitzung in einem Jahr erinnern — was wird Ihnen rückblickend wichtig erscheinen?"
16
○ Reflexion
„Wenn Sie als Berater:in einer Person mit Ihrem Anliegen gegenübersäßen — was würden Sie ihr raten?"
17
○ Reflexion
„Angenommen, das Problem hätte eine Funktion — wofür wäre es gut?"
18
○ Reflexion
„Welche Frage von außen wollen Sie nicht mehr beantworten müssen?"
19
○ Reflexion
„Wenn vieles sich ändert — was soll auf jeden Fall bleiben?"
20

An den gestrichelten Linien schneiden — 5 Karten pro Seite


Quellen und weiterführende Literatur

Originalarbeiten (Mailänder Schule und Karl Tomm)

  • Selvini Palazzoli, M., Boscolo, L., Cecchin, G., Prata, G. (1980): Hypothesizing — Circularity — Neutrality: Three Guidelines for the Conductor of the Session. Family Process 19 (1), 3–12.
  • Tomm, K. (1987): Interventive Interviewing: Part I. Strategizing as a Fourth Guideline for the Therapist. Family Process 26 (1), 3–13.
  • Tomm, K. (1987): Interventive Interviewing: Part II. Reflexive Questioning as a Means to Enable Self-Healing. Family Process 26 (2), 167–183.
  • Tomm, K. (1988): Interventive Interviewing: Part III. Intending to Ask Lineal, Circular, Strategic, or Reflexive Questions? Family Process 27 (1), 1–15.
  • Cecchin, G. (1987): Hypothesizing, Circularity, and Neutrality Revisited: An Invitation to Curiosity. Family Process 26 (4), 405–413.

Deutschsprachige Standardwerke

  • Schlippe, A. von, Schweitzer, J. (2019): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung I — Das Grundlagenwissen. Vandenhoeck & Ruprecht, 4. Aufl.
  • Simon, F. B. (2018): Einführung in die systemische Familientherapie. Carl-Auer.
  • Schweitzer, J., Schlippe, A. von (2019): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung II — Das störungsspezifische Wissen. Vandenhoeck & Ruprecht.

Verwandte Methoden

  • Boscolo, L., Cecchin, G., Hoffman, L., Penn, P. (1987): Milan Systemic Family Therapy: Conversations in Theory and Practice. Basic Books.
  • White, M., Epston, D. (1990): Narrative Means to Therapeutic Ends. Norton. (Deutsch: Die Zähmung der Monster, Carl-Auer.)
  • de Shazer, S. (1985): Keys to Solution in Brief Therapy. Norton.

Frei verfügbar

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