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Ressourcen-Fragen-Pool — 30 lösungsorientierte Fragen mit Anleitung

30 erprobte ressourcen- und lösungsorientierte Fragen, sortiert nach Vergangenheit / Gegenwart / Zukunft, mit Anwendungs-Hinweisen und Skalierungs-Block. Grundlage: de Shazer / Berg (Brief Family Therapy Center Milwaukee) und die deutschsprachige Coaching-Literatur.

Format: PDF Version: 1.0 Stand: 2026-06-03 Lizenz: CC BY 4.0 Sprache: DE

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Ressourcen-Fragen-Pool — 30 lösungsorientierte Fragen mit Anleitung

GenoEasy-Vorlage · Version 2.0 · Stand 2026-06-03 · Lesedauer ca. 18 min

Praxis-Material für Berater:innen, Coaches, Therapeut:innen. Diese Vorlage enthält 30 erprobte ressourcen- und lösungsorientierte Fragen, sortiert nach Vergangenheit / Gegenwart / Zukunft, mit Anwendungs-Hinweisen und einem Skalierungs-Block. Grundlage sind die Arbeiten von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg (Brief Family Therapy Center, Milwaukee) sowie ihre Weiterentwicklung im deutschsprachigen Coaching-Kontext.

Was ist Ressourcen-Orientierung?

Ressourcen-Orientierung ist ein Grundprinzip der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie (Solution-Focused Brief Therapy, SFBT) — entwickelt in den 1980er Jahren am Brief Family Therapy Center in Milwaukee durch Steve de Shazer und Insoo Kim Berg gemeinsam mit ihrem Team. Die Methode verzichtet weitgehend auf Problemanalyse und richtet die Aufmerksamkeit konsequent auf das, was bereits funktioniert, was Klient:innen können, was ihnen wichtig ist und wohin sie wollen.

Drei Kernsätze beschreiben die Haltung: Wenn etwas funktioniert, mach mehr davon. Wenn etwas nicht funktioniert, mach etwas anderes. Wenn ein Problem nicht da ist, repariere es nicht. Der Ansatz ist nicht naiv-optimistisch — er rechnet mit dem Leid der Klient:in, aber er glaubt an deren Selbstheilungskompetenzen und arbeitet kürzer als problemorientierte Schulen.

Aus der ursprünglichen Therapie-Methode ist im deutschsprachigen Raum eine breite Bewegung in Beratung, Coaching, Sozialer Arbeit und Schule geworden. Wichtige Stationen sind die Arbeiten von Steve de Shazer und Yvonne Dolan (Mehr als ein Wunder), die Carl-Auer-Bibliothek, Mark McKergow & Paul Z. Jackson (The Solutions Focus) sowie die deutschsprachige Coaching-Literatur (Bamberger, Hargens, Schmidt).

Die hier vorgestellten 30 Fragen sind in dieser Tradition entwickelt und für die deutschsprachige Beratungspraxis formuliert. Sie sind keine starre Liste, sondern Anregungen — die beste Frage ist immer die, die im Moment passt.

Inhalt: Theoretischer Hintergrund · 10 Fragen zur Vergangenheit · 10 Fragen zur Gegenwart · 10 Fragen zur Zukunft · Skalierungs-Block (5 Beispiele) · Anwendungs-Tipps · FAQ · Druckhinweis-Cover · druckbare 2-Seiten-Übersicht zum Mitnehmen · Quellen.


Theoretischer Hintergrund — Lösungsfokussierung in einer Seite

Der lösungsfokussierte Ansatz beruht auf wenigen, aber stabilen Annahmen. Erstens: Probleme und Lösungen sind nicht symmetrisch — die Auflösung eines Problems hat oft mit den Wegen nichts zu tun, die es entstehen ließen. Statt die Vergangenheit zu durchdringen, kann man die Aufmerksamkeit auf den nächsten kleinen Schritt nach vorne lenken. Zweitens: Klient:innen sind die Expert:innen ihres Lebens — die Berater:in stellt Fragen, sie kennt die Antworten nicht im Voraus. Drittens: Veränderung ist permanent und unvermeidlich; selbst in scheinbar festgefahrenen Situationen gibt es Ausnahmen, in denen das Problem nicht da oder schwächer ist — diese Ausnahmen sind der Schlüssel.

Die zentralen Werkzeuge der Methode sind die Wunderfrage, Skalierungsfragen, Ausnahme-Fragen und Bewältigungs- (Coping-) Fragen — alle ressourcen-orientiert, alle einfach zu formulieren, alle in der Wirkung präzise.

Wichtig für die professionelle Praxis: Ressourcen-Orientierung darf reale Belastung nicht entwerten (toxic positivity) und ist in akuten Krisen (Suizidalität, Gewalt, akutes Trauma) nicht das erste Mittel der Wahl. Validierung, Sicherheit und Stabilisierung gehen vor Lösung.


10 Fragen zur Vergangenheit — Was hat schon getragen?

Vergangenheits-Fragen suchen nicht nach Ursachen, sondern nach Ausnahmen, Ressourcen und Bewältigungs-Erfahrungen. Sie aktivieren das implizite Wissen, dass Klient:innen schon vieles bewältigt haben — was leicht in Vergessenheit gerät, wenn das aktuelle Problem alles überdeckt.

V01 — Ausnahme-Frage Basis

Frage. „Wann zuletzt war das Problem schon ein bisschen leichter — und was war damals anders?"

Anwendung. Klassische Ausnahme-Frage nach de Shazer. In fast jeder chronischen Beschreibung gibt es Momente geringerer Belastung. Die Frage öffnet sie und liefert oft den ersten Hinweis auf wirksame Strategien.

V02 — Coping-Frage

Frage. „Wie haben Sie es eigentlich geschafft, dass es nicht noch schlimmer wurde?"

Anwendung. Würdigt die unsichtbare Bewältigungs-Arbeit der Klient:in. Besonders kraftvoll bei chronischen Belastungen, wo „nichts geht voran" das Gefühl bestimmt. Validiert ohne zu drängen.

V03 — Pre-Session-Change

Frage. „Was hat sich seit unserer Vereinbarung des Termins (oder seit der Anmeldung) schon verändert?"

Anwendung. Klassische Eröffnungsfrage. Erstaunlich oft nennen Klient:innen Veränderungen, die durch den bloßen Entschluss zur Hilfesuche entstanden sind — ein guter Startpunkt für die weitere Arbeit.

V04 — Stärken-Geschichte

Frage. „Welche Stärke hat Ihnen in der schwierigsten Zeit Ihres Lebens geholfen?"

Anwendung. Aktiviert biografische Ressourcen. Vorsicht bei akutem Trauma — erst Stabilität sichern. Bei stabilen Klient:innen sehr produktiv: Stärken aus alten Krisen sind oft auch heute noch verfügbar.

V05 — Wer hat geholfen?

Frage. „Wer war damals die wichtigste Person, die Ihnen geholfen hat? Was hat sie getan?"

Anwendung. Macht das soziale Stütz-Netz sichtbar und aktiviert es für die aktuelle Situation. Liefert oft Anker, an die die Klient:in heute wieder anknüpfen kann.

V06 — Was hat damals funktioniert?

Frage. „Wenn Sie an eine frühere Krise denken, die Sie überwunden haben — was hat damals tatsächlich geholfen?"

Anwendung. Sammelt konkrete Strategien aus der eigenen Erfahrung. Oft tauchen Hinweise auf, die auch jetzt brauchbar wären — die Klient:in hatte sie nur vergessen.

V07 — Was hat Sie damals charakterisiert?

Frage. „Wer waren Sie vor 10 Jahren? Welche Eigenschaft hatten Sie damals, die Sie heute weniger spüren?"

Anwendung. Macht biografische Diskontinuität sichtbar und öffnet die Frage, ob frühere Anteile wieder verfügbar gemacht werden können. Vorsichtig einsetzen — keine nostalgische Verklärung erzeugen.

V08 — Wendepunkte

Frage. „Welcher Wendepunkt in Ihrem Leben fällt Ihnen zuerst ein — und was hat ihn ermöglicht?"

Anwendung. Aktiviert das implizite Wissen über eigene Wandlungs-Fähigkeit. Klient:innen, die sich für unveränderbar halten, werden überrascht, wie viele Wendepunkte sie tatsächlich erinnern.

V09 — Verlorene Ressource

Frage. „Welche Fähigkeit hatten Sie früher selbstverständlich, die Sie heute vermissen?"

Anwendung. Identifiziert konkrete Ressourcen-Kandidaten zur Reaktivierung. Lässt sich gut mit der Skala-Frage verbinden: „Auf 1–10 — wie sehr ist diese Fähigkeit heute noch da?"

V10 — Was hätte Sie damals gestützt?

Frage. „Wenn Sie sich heute mit damals treffen könnten — was würden Sie sich sagen?"

Anwendung. Reflexive Variante. Aktiviert die innere Berater:in und bringt oft erstaunlich genaue Selbst-Erkenntnisse hervor. Lässt sich sehr gut als Sitzungs-Abschluss einsetzen.


10 Fragen zur Gegenwart — Was läuft trotzdem?

Gegenwarts-Fragen lenken die Aufmerksamkeit auf das, was jetzt schon funktioniert — auch in Phasen großer Belastung. Sie sind nicht Ablenkung vom Leid, sondern Erweiterung des Blicks: Beides darf wahr sein — das Problem und das, was trägt.

G01 — Was läuft trotzdem?

Frage. „Was läuft in Ihrem Leben trotz allem gerade gut — auch wenn es nur ein kleiner Bereich ist?"

Anwendung. Klassische Eröffnung in der Vertiefungsphase. Gibt der Klient:in Erlaubnis, beides zu fühlen — Belastung und Funktionieren.

G02 — Wer würde es als Erste:r merken?

Frage. „Wer in Ihrem Umfeld würde als Erste:r merken, wenn es Ihnen besser geht? Woran?"

Anwendung. Verbindet ressourcen- mit beziehungs-orientierter Logik. Macht soziale Sichtbarkeit der eigenen Befindlichkeit deutlich und liefert oft konkrete Verhaltens-Marker, die als Mini-Ziele dienen können.

G03 — Kompetenz-Inventur

Frage. „Welche drei Dinge können Sie wirklich gut — auch wenn Sie sie für selbstverständlich halten?"

Anwendung. Selbst-Würdigung. Klient:innen unterschätzen ihre Kompetenzen systematisch, besonders in Belastungs-Phasen. Die Frage öffnet einen heilsamen Perspektivwechsel.

G04 — Energie-Quellen

Frage. „Was gibt Ihnen heute, in dieser Woche, in diesem Monat Energie — auch wenn es klein ist?"

Anwendung. Konkrete Ressourcen-Sammlung. Hilft, kleinste Anker im Alltag sichtbar zu machen und gezielt zu pflegen.

G05 — Soziale Stütze heute

Frage. „Wer in Ihrem Leben glaubt am stärksten an Sie — und woran merken Sie das?"

Anwendung. Aktiviert das Stütz-Netz aktuell. Gerade bei Klient:innen, die sich isoliert fühlen, ist die Frage oft eine Überraschung.

G06 — Worauf bin ich stolz?

Frage. „Worauf sind Sie in den letzten Monaten — trotz allem — ein wenig stolz?"

Anwendung. Selbst-Würdigung im engsten Sinne. Bei depressiven Klient:innen sehr behutsam einsetzen; bei Erschöpften und Selbst-Abwertenden oft Türöffner.

G07 — Was ist eigentlich gut genug?

Frage. „Was in Ihrem Leben ist eigentlich gut genug — ohne dass Sie es perfekt machen müssten?"

Anwendung. Bei Perfektionismus-Themen und Burnout zentral. Macht das Konzept des Gut-Genug (D. W. Winnicott) erfahrbar.

G08 — Wirksamkeits-Spur

Frage. „Wann diese Woche haben Sie etwas getan, das wirklich gewirkt hat — auch wenn nur eine Kleinigkeit?"

Anwendung. Sammelt Selbstwirksamkeits-Erfahrungen und korrigiert das Gefühl der Ohnmacht. Auch sehr kleine Erfolge zählen.

G09 — Trotz allem

Frage. „Was haben Sie in dieser schwierigen Phase NICHT verloren — was ist Ihnen geblieben?"

Anwendung. Identitäts-Stütze. Macht sichtbar, dass das Selbst nicht im Leid aufgeht. Besonders wichtig in Trauer-Phasen und nach Trennungen.

G10 — Heute Abend / morgen früh

Frage. „Was würde heute Abend / morgen früh ein bisschen leichter sein, wenn die Sitzung jetzt hilfreich war?"

Anwendung. Klassische Transferfrage. Verbindet Sitzung mit Alltag und liefert konkrete Beobachtungsaufgaben für die nächste Woche.


10 Fragen zur Zukunft — Wunderfrage, Ziele, kleine Schritte

Zukunfts-Fragen öffnen den Möglichkeits-Raum. Sie sind das Herzstück der Lösungsfokussierung — die Wunderfrage gilt als ihre berühmteste Form. Wichtig: Zukunfts-Fragen sind kein Befehl zur Veränderung, sondern Einladung, Veränderung gedanklich durchzuspielen.

Z01 — Wunderfrage Basis

Frage. „Angenommen, heute Nacht geschähe ein Wunder und Ihr Problem wäre gelöst — woran würden Sie es morgen früh als Erstes merken?"

Anwendung. Die klassische Wunderfrage nach Insoo Kim Berg. Nicht zu früh stellen — wer das Problem noch nicht hinreichend benannt hat, erlebt sie als Übergehung. Nach der Frage Zeit lassen, oft mit weiteren konkretisierenden Fragen vertiefen.

Z02 — Wunderfrage zirkulär

Frage. „Und wer in Ihrer Familie würde als Erste:r merken, dass das Wunder geschehen ist? Woran?"

Anwendung. Verbindet Wunderfrage mit triadischer Perspektive. Liefert oft sehr konkrete Verhaltens-Marker, die als Mini-Ziele dienen.

Z03 — Kleinster nächster Schritt

Frage. „Was wäre der kleinste Schritt in diese Richtung, den Sie heute Abend tatsächlich tun könnten?"

Anwendung. Konkretisierung. Die Wunderfrage öffnet die Vision, diese Frage macht sie handhabbar. „Kleinster" ist betont — nicht „der wichtigste".

Z04 — Eine Woche weiter

Frage. „Wenn wir uns in einer Woche wiedersehen und es ist etwas besser geworden — woran würden Sie das beim Aufstehen am Mittwoch erkennen?"

Anwendung. Konkreter Zeit-Anker. Macht Veränderung zwischen Sitzungen beobachtbar und gibt einen Folge-Auftrag.

Z05 — Mut ohne Risiko

Frage. „Was würden Sie tun, wenn Sie sicher wüssten, dass es gelingt?"

Anwendung. Befreit die Vorstellung von der Risiko-Abwägung und macht echte Wünsche sichtbar. Nicht als Verpflichtung verstehen — die Frage produziert Klarheit, nicht Handlungsdruck.

Z06 — In drei Jahren

Frage. „Wenn Sie in drei Jahren auf dieses Jahr zurückblicken — was wird Ihnen rückblickend wichtig erschienen sein?"

Anwendung. Mittlere Zeit-Perspektive. Reduziert akuten Druck und schafft Priorisierung. Besonders bei Klient:innen mit „muss alles sofort"-Druck.

Z07 — Wunsch-Variante (klein)

Frage. „Was wäre eine Kleinigkeit, die nächste Woche besser sein darf — ohne dass sich gleich alles ändert?"

Anwendung. Reduziert Veränderungs-Angst und arbeitet mit kleinen Dosen. Sehr wirksam bei Klient:innen, die sich vor Veränderung fürchten.

Z08 — Wenn Sie wüssten, was Sie wollen

Frage. „Angenommen, Sie wüssten ganz genau, was Sie wollen — wie würden Sie dann den nächsten Schritt beschreiben?"

Anwendung. Bei Unentschlossenheit. Die Frage umgeht den Block „aber ich weiß ja nicht, was ich will" durch das „angenommen".

Z09 — Was werden Sie behalten?

Frage. „Wenn vieles sich ändert — was wollen Sie auf jeden Fall behalten?"

Anwendung. Bewahrungs-Frage. Würdigt, dass Veränderung nicht alles verändern soll. Macht Identitäts-Kerne sichtbar, die in Veränderung tragen.

Z10 — Wenn es Ihnen wieder gut geht

Frage. „Wenn es Ihnen wieder gut geht — woran werden Sie wissen, dass Sie hier fertig sind?"

Anwendung. Beratungs-Ende-Frage. Verbindet Wunsch-Zustand mit Beratungs-Auftrag und schafft Klarheit über die Rolle der Berater:in.


Skalierungs-Block — 5 typische Beispiele mit Folgefragen

Skalierungs-Fragen sind das vielleicht wirksamste Werkzeug der Lösungsfokussierung. Sie verwandeln vage Befindlichkeiten in greifbare Größen und ermöglichen kleinschrittiges Arbeiten. Wichtig: Die Skala ist Sprache, kein Messinstrument — wer „4,5" sagt, hat 4,5; darüber wird nicht gestritten.

Skala 1 — Wo stehen Sie heute?

Hauptfrage. „Auf einer Skala von 0 bis 10 — 0 ist die schlimmste Phase, 10 ist genau das, was Sie hier erreichen wollen — wo stehen Sie heute?"

Folgefragen. „Was sind die Gründe, dass Sie heute schon auf der X stehen, nicht auf 0?" („Was hält Sie über Wasser?") · „Was wäre einen Punkt höher? Woran würden Sie es merken?" · „Was wäre der kleinste Schritt von X auf X+1?"

Skala 2 — Wo wäre gut genug?

Hauptfrage. „Auf derselben Skala — wo wäre für Sie ‚gut genug'? Wo müssten Sie nicht 10 sein?"

Folgefragen. „Was würden Sie sich auf der X erlauben, das Sie sich heute noch verbieten?" · „Was würden Sie auf der X lassen, was Sie heute tun?"

Skala 3 — Zuversicht

Hauptfrage. „Auf einer Skala von 0 bis 10 — wie zuversichtlich sind Sie, dass es weitergeht / dass Sie es schaffen?"

Folgefragen. „Was würde Ihre Zuversicht um einen Punkt steigern?" · „Wer in Ihrem Umfeld würde Sie höher einschätzen als Sie sich selbst?"

Skala 4 — Bereitschaft

Hauptfrage. „Auf einer Skala von 0 bis 10 — wie bereit sind Sie, etwas zu verändern?"

Folgefragen. „Was hält Sie davon ab, höher zu sein?" · „Was wäre nötig, damit Sie morgen einen Punkt höher stehen?"

Skala 5 — Beziehungsqualität (Paar / Familie)

Hauptfrage. „Auf einer Skala von 0 bis 10 — wie eng / vertrauensvoll / lebbar ist Ihre Beziehung zu X gerade?"

Folgefragen. „Wo wären Sie und X jeweils einzeln auf der Skala?" · „Was würde Sie einen Punkt nach oben bringen?" · „Was würde X einen Punkt nach oben bringen?"

Skalierungs-Praxis: Beide Endpunkte definieren („0 ist… 10 ist…"). Niemals einen Wert kritisieren. Bewegungen auf der Skala würdigen — auch von 3 auf 3,5 ist ein Erfolg. Skala über mehrere Sitzungen wiederholen schafft Verlaufs-Wahrnehmung.

Anwendungs-Tipps für die Praxis

Validieren vor Fragen. Bevor Sie ressourcenorientiert fragen, muss die Klient:in sich gehört fühlen. Toxic positivity entsteht, wenn Lösung vor Anerkennung des Leids kommt. Faustregel: erst 5 Minuten validieren, dann erst die Wunderfrage.

Kleine Schritte würdigen. Wer von 3 auf 4 kommt, hat 25 % Steigerung. Klient:innen unterschätzen das. Würdigen Sie auch sehr kleine Bewegungen — die Würdigung selbst ist Intervention.

Konkretisieren. Eine vage Antwort („mir würde es besser gehen") ist keine brauchbare Lösung — bleiben Sie dran: „Woran würden Sie das beim Aufwachen am Donnerstag konkret merken?"

Komplimente. Die Lösungsfokussierung kennt das direkte Kompliment als legitime Intervention. „Es beeindruckt mich, dass Sie unter dieser Last noch zur Arbeit gehen." Komplimente müssen ehrlich sein — keine Übertreibung.

Reframing. Lösungsfokussierung deutet oft um — aber nicht moralisierend. „Sie sagen ‚stur', ich höre ‚klar in der Haltung'." Nur einsetzen, wenn die Klient:in das Reframing aufnehmen mag.

Wann Ressourcen-Orientierung NICHT die erste Wahl ist: Bei akuter Suizidalität (erst Sicherheit), bei akuter Gewalt-Erfahrung (erst Schutz), bei akuter Psychose (erst Stabilisierung), bei frischer Trauer (erst Würdigung) und bei traumatischer Erfahrung ohne ausreichende Stabilisierung. Auch bei chronischer Selbst-Entwertung mit Vorsicht: Ressourcen-Fragen können dann als „Sie sind nicht so schlimm dran, wie Sie denken" misshört werden. Immer zuerst validieren.

FAQ — Sechs zentrale Fragen aus der Praxis

1. Was tun, wenn die Klient:in auf die Wunderfrage „weiß ich nicht" sagt? Nicht resignieren. Variieren: „Angenommen, eine wohlwollende Freundin würde Ihnen morgen früh sagen, dass sie etwas anderes an Ihnen merkt — was könnte das sein?"

2. Funktioniert das auch bei Klient:innen, die nichts Gutes sehen? Ja, aber mit Geduld. Bei schwer depressiven Klient:innen sind Mikro-Skala-Bewegungen („von 1,2 auf 1,3") schon Erfolg. Fragen Sie nach allerkleinsten Veränderungen.

3. Ist Ressourcen-Orientierung dasselbe wie ‚positives Denken'? Nein, ausdrücklich nicht. Sie ist Aufmerksamkeits-Lenkung, nicht Realitäts-Verleugnung. Probleme bleiben benannt — Lösungen werden zusätzlich sichtbar gemacht.

4. Wie oft Skalierungs-Fragen pro Sitzung? Eine bis zwei Hauptskalen reichen, mehrere Folgefragen pro Skala. Mehr verwässert.

5. Kann ich die Wunderfrage mehrmals verwenden? Ja — sie ist robust und bringt bei jeder Anwendung etwas Neues. Allerdings nicht in jeder Sitzung — sie braucht ihren Rahmen.

6. Wie kombiniere ich Lösungsfokussierung mit Genogramm-Arbeit? Sehr gut: Im Genogramm wird die Familien-Landschaft sichtbar, Ressourcen-Fragen aktivieren dann die Stützen aus diesem System („Wer in Ihrer Familie hat Sie schon einmal gut beraten?", „Welche Familie-Tradition trägt Sie?"). Beide Schulen ergänzen sich produktiv.


Pocket-Übersicht — Druckhinweis

Die folgenden zwei Seiten enthalten alle 30 Fragen sortiert nach Vergangenheit / Gegenwart / Zukunft, plus den Skalierungs-Block. Format ist auf Sitzungs-Tisch oder Klemmbrett-Mappe abgestimmt.

  • Auf A4 drucken — beide Seiten gut lesbar.
  • Optional laminieren oder in Klarsichthülle ablegen — als ständig griffbereites Sitzungs-Werkzeug.
  • Notizen-Spalte für eigene Anpassungen und ergänzende Folgefragen.
  • Skala unten liegt als separate Karte oft besser griffbereit.
Pocket 1 — Fragen V01 bis G05
NrFrageEigene Notizen
V01Wann zuletzt war es schon ein bisschen leichter — und was war damals anders? 
V02Wie haben Sie es geschafft, dass es nicht noch schlimmer wurde? 
V03Was hat sich seit der Anmeldung schon verändert? 
V04Welche Stärke hat Ihnen in der schwierigsten Zeit geholfen? 
V05Wer war die wichtigste helfende Person? Was hat sie getan? 
V06Was hat in früheren Krisen tatsächlich geholfen? 
V07Welche Eigenschaft hatten Sie früher, die Sie heute weniger spüren? 
V08Welcher Wendepunkt — und was hat ihn ermöglicht? 
V09Welche Fähigkeit hatten Sie früher selbstverständlich, die Sie vermissen? 
V10Was würden Sie sich heute aus damals sagen? 
G01Was läuft trotz allem gerade gut? 
G02Wer würde als Erste:r merken, dass es Ihnen besser geht? 
G03Welche drei Dinge können Sie wirklich gut? 
G04Was gibt Ihnen heute / diese Woche Energie? 
G05Wer in Ihrem Leben glaubt am stärksten an Sie? 
Pocket 2 — Fragen G06 bis Z10 + Skala
NrFrageEigene Notizen
G06Worauf sind Sie in den letzten Monaten ein wenig stolz? 
G07Was in Ihrem Leben ist eigentlich gut genug? 
G08Wann diese Woche haben Sie etwas getan, das gewirkt hat? 
G09Was haben Sie NICHT verloren — was ist Ihnen geblieben? 
G10Was würde heute Abend / morgen früh ein bisschen leichter sein? 
Z01Wunderfrage — woran würden Sie es als Erstes merken? 
Z02Wer in Ihrer Familie würde es als Erste:r merken? 
Z03Was wäre der kleinste Schritt heute Abend? 
Z04Was wäre in einer Woche anders, wenn es besser ist? 
Z05Was würden Sie tun, wenn Sie sicher wüssten, dass es gelingt? 
Z06In drei Jahren rückblickend — was war wichtig? 
Z07Was darf nächste Woche eine Kleinigkeit besser sein? 
Z08Angenommen, Sie wüssten was Sie wollen — welcher Schritt? 
Z09Was wollen Sie auf jeden Fall behalten? 
Z10Woran erkennen Sie, dass Sie hier fertig sind? 

Skalierungs-Block (kompakt)

  • Skala 1 — Wo stehen Sie? 0 = Tiefpunkt, 10 = Ziel · Gründe für aktuelle Position · ein Punkt höher: woran?
  • Skala 2 — Wo wäre gut genug? Was würden Sie sich erlauben / lassen?
  • Skala 3 — Zuversicht. Wer schätzt Sie höher ein als Sie selbst?
  • Skala 4 — Bereitschaft. Was hält Sie davon ab, höher zu sein?
  • Skala 5 — Beziehungsqualität. Beide Partner:innen einzeln · was bringt Sie / die andere einen Punkt höher?

Regel: Skala ist Sprache, kein Messinstrument. Bewegungen würdigen, auch kleinste. Eigene Variante in „Notizen"-Spalte ergänzen.


Quellen und weiterführende Literatur

Originalwerke (Brief Family Therapy Center, Milwaukee)

  • de Shazer, S. (1985): Keys to Solution in Brief Therapy. Norton.
  • de Shazer, S. (1988): Clues — Investigating Solutions in Brief Therapy. Norton. (Deutsch: Der Dreh, Carl-Auer.)
  • de Shazer, S. (1994): Words Were Originally Magic. Norton.
  • de Shazer, S., Dolan, Y. (2007): Mehr als ein Wunder — Lösungsfokussierte Kurzzeittherapie heute. Carl-Auer.
  • Berg, I. K., Miller, S. D. (1992): Working with the Problem Drinker — A Solution-Focused Approach. Norton.
  • Berg, I. K. (1994): Family Based Services — A Solution-Focused Approach. Norton.

Deutschsprachige Standardwerke

  • Bamberger, G. (2015): Lösungsorientierte Beratung. Beltz, 5. Aufl.
  • Hargens, J. (Hrsg.) (2019): Klassiker der lösungsorientierten Beratung. Borgmann.
  • Schmidt, G. (2018): Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer, 9. Aufl.
  • Schlippe, A. von, Schweitzer, J. (2019): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung I. Vandenhoeck & Ruprecht, 4. Aufl.

Anwendungs-Literatur (Coaching / Soziale Arbeit)

  • McKergow, M., Jackson, P. Z. (2007): The Solutions Focus — Making Coaching and Change Simple. Nicholas Brealey, 2. Aufl.
  • Sparrer, I. (2009): Wunder, Lösung und System — Lösungsfokussierte systemische Strukturaufstellungen. Carl-Auer.

Frei verfügbar

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