Eigen-Genogramm — Workbook für die professionelle Selbst-Reflexion — Vorlagen & Materialien - GenoEasy
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Eigen-Genogramm — Workbook für die professionelle Selbst-Reflexion

Workbook für angehende und praktizierende Berater:innen, Therapeut:innen, Sozialpädagog:innen, Coaches — sechs Übungs-Blöcke zur Erarbeitung des eigenen Drei-Generationen-Genogramms, mit ausfüllbaren Notiz-Bereichen. Selbst-Erfahrungs-Material, kein Therapie-Ersatz.

Format: PDF Version: 1.0 Stand: 2026-06-03 Lizenz: CC BY 4.0 Sprache: DE

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Eigen-Genogramm — Workbook für die professionelle Selbst-Reflexion

GenoEasy-Vorlage · Version 2.0 · Stand 2026-06-03 · Lesedauer ca. 30 min · Bearbeitungszeit ca. 4–6 h

Workbook für angehende und praktizierende Berater:innen, Therapeut:innen, Sozialpädagog:innen, Coaches. Diese Vorlage führt durch sechs Übungs-Blöcke zur Erarbeitung des eigenen Drei-Generationen-Genogramms — mit Reflexions-Fragen und ausfüllbaren Notiz-Bereichen. Sie ist Selbst-Erfahrungs-Material und ersetzt keine Lehrtherapie, Supervision oder Therapie.

Warum ein Eigen-Genogramm?

Wer mit Familien-Systemen anderer arbeitet, arbeitet immer auch mit dem eigenen. Jede Klient:innen-Konstellation hallt im eigenen System wider — manchmal lautlos, manchmal überraschend laut. Das Eigen-Genogramm ist das systemische Werkzeug, um diese Resonanz bewusst zu machen, statt sich von ihr lenken zu lassen. Es ist gleichzeitig Selbst-Würdigung der eigenen Familien-Geschichte und Schutz vor unbemerkter Übertragung im beruflichen Kontakt.

Drei Traditionen prägen die Eigen-Genogramm-Arbeit. Murray Bowen entwickelte in den 1960er Jahren das Konzept der Selbst-Differenzierung (differentiation of self) und die These der multigenerationalen Übertragung — Familien-Muster wandern über drei und mehr Generationen. Monica McGoldrick schrieb mit You Can Go Home Again — Reconnecting With Your Family (1995) das bekannteste Selbsthilfe-Werk zur Wiederannäherung an die Herkunftsfamilie und etablierte das Self-of-the-Therapist Genogram als Standard-Werkzeug in Ausbildungs-Curricula. Harry Aponte entwickelte mit Karni Kissil das Person of the Therapist Training Model (POTT) — eine systematische Methode, die eigenen Lebens-Themen („Signature Themes") als professionelles Werkzeug zu nutzen.

In den DGSF- und SG-Weiterbildungs-Curricula im deutschsprachigen Raum ist die Eigen-Genogramm-Arbeit Pflichtbestandteil. Auch in der lösungsfokussierten und narrativen Tradition wird Selbst-Arbeit empfohlen. Die hier vorgelegte Workbook-Struktur orientiert sich an McGoldrick und Aponte, ist aber für die selbstgesteuerte Bearbeitung formuliert.

Inhalt: Setting und Vorbereitung · 6 Übungs-Blöcke (Bestandsaufnahme, Beziehungslandkarte, heiße Stellen, Aufträge & Vermächtnisse, Resonanz mit Klient:innen, Integration & Selbstfürsorge) · „Wann professionelle Hilfe suchen" · FAQ · Druckhinweis-Cover vor den Übungs-Blöcken · Quellen.


Setting und Vorbereitung

Bevor Sie beginnen, klären Sie für sich Setting und Rahmen. Die folgenden Hinweise sind aus der Curriculum-Erfahrung der DGSF und SG abgeleitet.

Zeit. Planen Sie pro Übungs-Block 45–90 Minuten. Insgesamt 4–6 Stunden, verteilt auf mehrere Tage oder Wochen. Nicht an einem Stück durcharbeiten — die Themen müssen wirken können.

Ort. Wählen Sie einen Ort, an dem Sie ungestört sind und nicht unterbrochen werden. Ein Tisch zum Schreiben, ein Glas Wasser, Taschentücher in Reichweite.

Material. Stift, dieses Workbook (gedruckt empfohlen, sonst digital ausfüllbar), separat ein Blatt für die grafische Genogramm-Darstellung (oder die GenoEasy-App). Optional ein Tagebuch für längere Reflexionen.

Vertraulichkeit. Was Sie hier schreiben, gehört Ihnen. Bewahren Sie das ausgefüllte Workbook so auf, dass nur Sie Zugang haben. In Weiterbildungs-Gruppen entscheiden Sie selbst, was Sie teilen — niemand darf zur Offenbarung gedrängt werden.

Schutz für lebende Angehörige. Sie machen das für sich, nicht für die Familie. Bewertende Aussagen über lebende Personen bleiben in diesem Heft und werden ggf. später, sorgfältig vorbereitet, in echte Gespräche überführt — falls überhaupt.

Sicherheits-Hinweis: Eigen-Genogramm-Arbeit kann starke emotionale Reaktionen auslösen — alte Trauer, Wut, Erkenntnis, Erschöpfung. Das ist normal und Teil der Arbeit. Bei akuter Belastung, Trauma-Aktivierung, anhaltenden depressiven Phasen oder bei dem Gefühl „das überfordert mich gerade" bitte abbrechen und externe Begleitung in Anspruch nehmen — Supervision, Lehrtherapie, eigene Therapie. Selbsterfahrung ist kein Therapie-Ersatz.

Übungs-Blöcke — Druckhinweis

Die folgenden sechs Übungs-Blöcke enthalten ausfüllbare Notiz-Bereiche. Für die volle Wirkung empfehlen wir, das Workbook auszudrucken und handschriftlich auszufüllen.

  • Auf A4 drucken — die Linien-Bereiche sind auf Handschrift dimensioniert.
  • Ein Block pro Sitzung — nicht alle sechs Blöcke am Stück. Die Themen brauchen Pausen.
  • Schreiben statt Tippen — die handschriftliche Reflexion bringt deutlich mehr als Tippen am Laptop. Wer am Tablet schreibt, bekommt einen Mittelweg.
  • Vertraulichkeit sichern — ein verschließbares Fach, ein verschlüsselter Ordner, was auch immer für Sie sicher ist.
  • Bei starken Reaktionen Pause, Notiz „hier weitermachen", externe Begleitung suchen.

Übungs-Block 1 — Bestandsaufnahme (ca. 60 min)

Ziel. Sie skizzieren Ihr Drei-Generationen-Genogramm auf Faktenebene — wer gehört dazu, wann geboren, wann gestorben, wann verheiratet, wann getrennt, welche Kinder, welche Berufe, welche Migrationen.

Anleitung.

  1. Beginnen Sie mit sich selbst in der mittleren Generation. Notieren Sie Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Geburtsort.
  2. Ergänzen Sie Geschwister mit gleichen Daten — in Geburtsreihenfolge.
  3. Gehen Sie eine Generation hoch: Eltern, Tanten, Onkel. Pro Person: Name, Geburts- und ggf. Sterbedatum, Heirats- und ggf. Trennungs-Daten, Beruf, ggf. Migrations-Geschichte.
  4. Gehen Sie eine weitere Generation hoch: Großeltern. Pro Person dieselben Daten, plus „Was weiß ich über sie?" (oft sehr wenig — das ist Information).
  5. Gehen Sie eine Generation runter (eigene Kinder, Nichten, Neffen) — wenn vorhanden.

Reflexionsfragen.

  • Was wussten Sie sofort? Was mussten Sie nachfragen oder rekonstruieren?
  • Wo gibt es Lücken? Wer wurde nicht erwähnt — und wer hat das so eingerichtet?
  • Welche Person fehlt im Familien-Narrativ ganz oder fast ganz?
  • Welche Daten fielen Ihnen schwer aufzuschreiben? Warum?

Notizen Übungs-Block 1 — Bestandsaufnahme

Übungs-Block 2 — Beziehungslandkarte (ca. 60 min)

Ziel. Sie ergänzen Ihr Genogramm um Beziehungs-Linien: eng, distanziert, konflikthaft, abgebrochen, fusioniert. Sie sehen die emotionale Topologie Ihres Familien-Systems.

Anleitung.

  1. Verwenden Sie die Standard-Symbolik: Doppelstrich = sehr eng, durchgezogener Strich = normal, gezackter Strich = konflikthaft, gestrichelter Strich = distanziert, durchgestrichener Strich = abgebrochen, dreifacher Strich = fusioniert/verstrickt.
  2. Markieren Sie Beziehungen in der Eltern-Generation: Wie war / ist das Verhältnis Ihrer Eltern? Zwischen Eltern und Großeltern? Zwischen Tanten/Onkeln und Großeltern?
  3. Markieren Sie Ihre eigenen Beziehungen: zu Eltern, zu Geschwistern, zu Großeltern, zu Tanten/Onkeln. Auch zu verstorbenen Personen — die Beziehung lebt oft weiter.
  4. Beachten Sie unbewusste Wiederholungs-Muster: Ähnelt Ihre Beziehung zu Ihrem Partner einer Eltern-Beziehung? Wem sind Sie als Mutter / Vater am ähnlichsten?

Reflexionsfragen.

  • Wo gibt es Triangulierungen (Dreiecksbildungen) — wer ist mit wem verbündet gegen wen?
  • Welche Beziehungen sind über mehrere Generationen ähnlich strukturiert?
  • Wo gibt es Beziehungs-Abbrüche? Was kostet das das System? Was kostet es Sie?
  • Welche Beziehung in Ihrer Herkunftsfamilie hätten Sie gern anders?

Notizen Übungs-Block 2 — Beziehungslandkarte

Übungs-Block 3 — Heiße Stellen (ca. 60 min)

Ziel. Sie identifizieren Themen, die in Ihrer Familie unausgesprochen blieben oder bis heute Spannung erzeugen — Familien-Geheimnisse, Tabus, Loyalitäts-Konflikte. Heiße Stellen sind Orte besonderer Lebendigkeit; sie zu sehen, ist mehr Schutz als Gefährdung.

Anleitung.

  1. Sammeln Sie zunächst, ohne zu bewerten: Welche Themen wurden in Ihrer Familie nicht besprochen?
  2. Typische Bereiche: Suizide, psychische Erkrankungen, Süchte, Gewalt, Missbrauch, illegitime Kinder, Adoptionen, Migration aus Verfolgung, NS-Zeit (Täter:innen / Opfer / Mitläufer:innen), Klassen-Aufstieg oder -Abstieg, Religions-Wechsel, queere Identitäten, Abtreibungen, Fehlgeburten.
  3. Notieren Sie für jedes Thema: Was wurde NICHT gesagt? Was wurde stattdessen gesagt (Ersatz-Narrative)? Wer hat den Mantel des Schweigens gehütet?
  4. Fragen Sie sich: Habe ich heute noch das Gefühl, dass dieses Thema nicht angesprochen werden darf? Wem gegenüber?

Reflexionsfragen.

  • Gibt es ein Thema, das Sie bei Klient:innen besonders aktiviert — und das auch in Ihrer Familie eine heiße Stelle ist?
  • Wer in der Familie würde am ehesten anders sprechen, wenn die heiße Stelle benannt werden dürfte?
  • Welche heiße Stelle wollten / wollen Sie irgendwann ansprechen? Mit wem?
  • Welche heiße Stelle gehört ausdrücklich NICHT in ein Gespräch — und warum?

Notizen Übungs-Block 3 — Heiße Stellen

Übungs-Block 4 — Aufträge und Vermächtnisse (ca. 60 min)

Ziel. Sie machen sich die unausgesprochenen Aufträge sichtbar, die Sie aus Ihrer Familie empfangen haben — und die Vermächtnisse, die Sie weitergeben. Aufträge sind nicht per se schlecht: Sie strukturieren Identität. Aber sie sollten bewusst sein.

Anleitung.

  1. Notieren Sie für jede Eltern-Person: Welche Erwartung hatte sie / hat sie an Sie? Was sollten Sie für sie erreichen, sein, fühlen?
  2. Notieren Sie für jeden Großelternteil: Welche Erwartung wurde durch Ihre Eltern an Sie weitergereicht („Du sollst nicht so werden wie X")?
  3. Notieren Sie für sich selbst: Welcher Auftrag prägt Ihr Leben heute am stärksten — auch wenn er nie ausgesprochen wurde? Beispiele: „Du musst die Familie zusammenhalten." „Du musst es besser machen als sie." „Du sollst keine Probleme machen." „Du musst stark sein."
  4. Differenzieren Sie: Welche Aufträge haben Sie integriert (Identität)? Welche haben Sie abgelehnt (Reaktion)? Welche kämpfen Sie heute noch aus?

Reflexionsfragen.

  • Welcher Auftrag schützt Sie — und welcher kostet Sie heute zu viel?
  • Was wollen Sie weitergeben — und was nicht?
  • Wer in Ihrer Klient:innen-Arbeit erinnert Sie an einen Familien-Auftrag? Was passiert dann mit Ihrer Aufmerksamkeit?
  • Welche Loyalität hat Sie in eine Berufswahl geführt? Welche in eine Partner:innen-Wahl?

Notizen Übungs-Block 4 — Aufträge & Vermächtnisse

Übungs-Block 5 — Resonanz mit Klient:innen (ca. 60 min)

Ziel. Sie identifizieren Ihre „Signature Themes" (Aponte) — die Lebens-Themen, die in der Klient:innen-Arbeit überproportional anspringen. Ziel ist nicht, sie zu eliminieren, sondern sie zu kennen und professionell zu nutzen.

Anleitung.

  1. Denken Sie an Ihre letzten 10–20 Klient:innen. Bei welcher Konstellation haben Sie überdurchschnittlich engagiert, gerührt, betroffen, irritiert oder erschöpft reagiert?
  2. Suchen Sie Muster. Häufige Kandidaten: aggressive Väter, depressive Mütter, parentifizierte Erstgeborene, ausgegrenzte „schwarze Schafe", Suchterkrankungen, Kindeswohl-Themen, Trennungs-Eskalationen, Pflege-Geschichten.
  3. Verbinden Sie jedes Muster mit Ihrer eigenen Familien-Geschichte: Was in Ihrem System aktiviert dieses Thema?
  4. Notieren Sie für jedes erkannte Resonanz-Thema: Was hilft Ihnen professionell zu bleiben? Was sind Frühwarn-Zeichen, dass Sie aus der professionellen Distanz fallen?

Reflexionsfragen.

  • Welches Klient:innen-Anliegen würden Sie heute am liebsten ablehnen — und welche eigene Geschichte erklärt das?
  • Welche Klient:innen-Konstellation aktiviert Ihre eigene Sehnsucht? Wo wird daraus eine Übertragungsfalle?
  • Wann zuletzt haben Sie in einer Sitzung jemanden „retten" wollen — und für wen aus Ihrer Familie haben Sie das früher gefühlt?
  • Welche Klient:innen-Familienkonstellation läuft besonders glatt? Was macht das mit Ihnen?

Notizen Übungs-Block 5 — Resonanz mit Klient:innen

Übungs-Block 6 — Integration und Selbstfürsorge (ca. 45 min)

Ziel. Sie überführen die Erkenntnisse der ersten fünf Blöcke in eine professionelle und persönliche Praxis. Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie liegen? Welche Unterstützung brauchen Sie?

Anleitung.

  1. Lesen Sie Ihre Notizen aus den Blöcken 1–5 noch einmal in Ruhe durch.
  2. Markieren Sie zwei oder drei Themen, die für Ihre aktuelle Beratungs-Praxis am wichtigsten sind. Nicht alle — die wichtigsten.
  3. Formulieren Sie für jedes Thema: Was bedeutet das für meinen nächsten Klient:innen-Tag? Was bedeutet das für meine Supervision / Intervision? Was bedeutet das für mich persönlich?
  4. Schreiben Sie sich einen kleinen Brief an mich in einem Jahr — was wollen Sie sich erinnern? Was hoffen Sie, geschafft zu haben?

Reflexionsfragen.

  • Was ist Ihnen in diesem Workbook am unerwartetsten begegnet?
  • Welche Person aus Ihrer Familie möchten Sie heute würdigen — gibt es eine Geste, die das möglich macht?
  • Welche professionelle Unterstützung haben Sie aktuell — und welche fehlt?
  • Was ist Ihr nächster, konkreter Schritt nach diesem Workbook?

Notizen Übungs-Block 6 — Integration & Selbstfürsorge

Brief an mich in einem Jahr


Wann professionelle Hilfe suchen — Selbsterfahrung ist kein Therapie-Ersatz

Eigen-Genogramm-Arbeit ist eine professionelle Reflexions-Methode für Berater:innen. Sie ist kein Ersatz für Lehrtherapie, Supervision oder eigene Therapie. Es gibt klare Hinweise, wann Sie ergänzend oder vorrangig externe Begleitung suchen sollten.

Suchen Sie Lehrtherapie / Selbsterfahrungs-Gruppe, wenn Sie sich in einer Weiterbildung zur Berater:in / Therapeut:in befinden. DGSF und SG schreiben Selbsterfahrungs-Stunden vor — diese Vorgabe ist sinnvoll und sollte nicht umgangen werden.

Suchen Sie Supervision, wenn ein Klient:innen-Thema Sie wiederholt überfordert oder wenn Sie merken, dass eine eigene Familien-Resonanz Ihre Arbeit lenkt. Supervision ist die professionelle Form, Resonanz handhabbar zu machen.

Suchen Sie eigene Therapie, wenn dieses Workbook Themen aktiviert, die Sie nicht selbst integrieren können — anhaltende depressive Verstimmung, akute Trauer, Trauma-Aktivierung, Suchtdruck, intrusive Erinnerungen, anhaltende Erschöpfung. Therapie ist Stärke, nicht Schwäche.

In akuten Krisen (Suizidgedanken, akute Trauma-Wiederaktivierung, schwere depressive Episode) brechen Sie das Workbook ab und suchen Sie sofort professionelle Hilfe — Hausärzt:in, Krisendienst, Telefonseelsorge (0800 / 111 0 111). Die Arbeit hier wartet.


FAQ — Sechs zentrale Fragen aus der Praxis

1. Wie unterscheidet sich Eigen-Genogramm-Arbeit von Therapie? Eigen-Genogramm ist gezielte professionelle Selbst-Reflexion mit der Frage: „Was bedeutet meine Familien-Geschichte für meine Beratungs-Arbeit?" Therapie ist heilende Beziehung mit dem Ziel der Linderung von Leid. Beide haben überlappende Methoden, aber unterschiedliche Aufträge.

2. Was tun, wenn ich in der Arbeit auf einen tiefen Konflikt stoße — z.B. ein verschwiegenes Missbrauchs-Thema? Stopp. Notieren Sie nur den Hinweis („hier wartet etwas"), brechen Sie ab und suchen Sie therapeutische Begleitung. Aufdeckung ohne Halt kann re-traumatisieren.

3. Muss ich mit meiner Familie sprechen, um das Eigen-Genogramm zu erarbeiten? Nein. Vieles erschließt sich aus Erinnerung, Briefen, alten Fotos, Erzählungen von einer Person. Gespräche mit Familien-Mitgliedern sind möglich, aber nicht Bedingung — und sollten vorbereitet sein.

4. Wie viele Sitzungen brauche ich? Sechs Blöcke × 60–90 Min., verteilt auf 2–8 Wochen, ist eine gute Größenordnung. Lieber langsam und tief als schnell und oberflächlich.

5. Was, wenn ich beim Schreiben weine? Das ist normal und gehört zur Arbeit. Halten Sie ein. Atmen Sie. Schreiben Sie weiter oder pausieren Sie. Wenn Sie merken, dass es zu viel wird, beenden Sie den Block — externe Begleitung suchen.

6. Kann ich die Übungen mit Kolleg:innen teilen? In Weiterbildungs- oder Intervisions-Gruppen mit klarer Vertraulichkeits-Vereinbarung ja, in dosierter Form. Niemand sollte zur Offenbarung gedrängt werden. Im rein privaten Rahmen: nur, wenn es Sie stärkt.


Quellen und weiterführende Literatur

Originalwerke

  • Bowen, M. (1978): Family Therapy in Clinical Practice. Jason Aronson.
  • McGoldrick, M. (1995): You Can Go Home Again — Reconnecting With Your Family. Norton.
  • McGoldrick, M., Gerson, R., Petry, S. (2020): Genograms — Assessment and Treatment. Norton, 4. Aufl.
  • Aponte, H. J., Kissil, K. (2016): The Person of the Therapist Training Model — Mastering the Use of Self. Routledge.

Deutschsprachige Standardwerke

  • Schlippe, A. von, Schweitzer, J. (2019): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung I — Das Grundlagenwissen. Vandenhoeck & Ruprecht, 4. Aufl.
  • Boszormenyi-Nagy, I., Spark, G. M. (2015): Unsichtbare Bindungen — Die Dynamik familiärer Systeme. Klett-Cotta, 11. Aufl. (Original 1973.)
  • Stierlin, H. (2014): Das Tun des Einen ist das Tun des Anderen. Suhrkamp.

Frei verfügbar

Krisenhilfen

  • Telefonseelsorge 0800 / 111 0 111 (24 h, kostenfrei, anonym, Deutschland).
  • Krisendienst (regional, z.B. München 0180 / 655 3000).
  • Nummer gegen Kummer 116 111 (auch für Erwachsene relevant — Erstkontakt).
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