Verstorbene Personen werden im Genogramm nicht weggelassen — im Gegenteil. Wer den Tod ausspart, verliert die wichtigste Quelle für transgenerationale Muster.
Die Standardmarkierung
Verstorbene werden durch ein X durch das Standardsymbol markiert. Ergänzend werden Geburtsjahr und Sterbejahr neben dem Symbol notiert — die Lebensspanne in Jahren ist Standard, das Sterbedatum auf den Tag optional.
Die Todesursache wird als kurze Notiz darunter geschrieben, wenn sie diagnostisch relevant ist. Bei Suizid, Unfall, Mord oder ungeklärten Todesumständen ist diese Information meistens zentral; bei Tod im hohen Alter durch Altersschwäche selten.
Sensible Todesumstände
Manche Todesumstände prägen ein Familiensystem über Generationen — und gehören damit nicht versteckt, sondern dokumentiert:
- Suizid: als Todesursache notiert, oft mit Altersangabe — das Risiko transgenerationaler Suizidgefährdung ist klinisch belegt.
- Kindstod: jeder Verlust eines Kindes ist im Genogramm relevant, unabhängig vom Alter des Kindes.
- Tod im Krieg, durch Gewalt, durch Sucht: Todesumstände, die das System prägen, gehören sichtbar.
Die Notation ist hier kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, mit dem im Gespräch gearbeitet werden kann.
Kumulierte Verluste
Ein Genogramm mit vielen X auf einer Generation — Großeltern, die alle im Krieg starben, mehrere Kinder, die im Säuglingsalter verloren wurden, ein Elternteil, das früh verstarb — zeigt etwas, das im Einzelgespräch oft unausgesprochen bleibt: kumulierte, unverarbeitete Trauer als Familienprägung.
Dieses Muster sichtbar zu machen, ist eine der stärksten Wirkungen der Methode. Es zu interpretieren, verlangt Zeit — und meistens mehr als eine Sitzung.