Ressourcenorientiert erfragen - GenoEasy

Ressourcenorientiert erfragen

Wie ein anderer Fragestil den Genogrammprozess verändert — und manchmal die Klient:in gleich mit.

Defizitorientiertes Fragen ist anstrengend. Für die Klient:in, weil sie aufzählt, was alles schiefläuft. Für die Berater:in, weil sie es alles aufnehmen muss. Für das Genogramm, weil es am Ende wie eine Akte aussieht — und so wirkt.

Genogramm mit grünen Eng-Linien zwischen Index und Großmutter sowie externem Mentor
Grüne Linien sichtbar machen — Halt durch Großmutter und Mentor.

Der Effekt der Fragerichtung

Wer fragt „Wer in der Familie hatte psychische Probleme?", bekommt eine Liste. Wer fragt „Wer in der Familie war ein Vorbild für Sie?", bekommt eine Geschichte. Beide Fragen sind legitim — aber sie produzieren völlig unterschiedliche Genogramme. Das eine ist eine Bestandsaufnahme von Schäden, das andere eine Karte von Halt und Bewältigung.

Ressourcenorientierung ist keine Schönfärberei. Schwierige Themen werden dabei nicht ausgespart — sie werden in einen weiteren Rahmen gesetzt. Eine Großmutter, die einen Krieg überlebt hat, ist Trauma-Trägerin und Resilienz-Beispiel. Beides gehört ins Genogramm.

Vier Ressourcen-Markierungen: Eng-Linie, Talent-Stern, Mentor, Geschwisternetz
Vier Marker, mit denen Ressourcen ins Genogramm kommen.

Fragen, die das Bild öffnen

Drei Fragetypen, die in fast jedem Genogramm-Erstgespräch funktionieren:

  • Vorbild-Fragen: „Wer in der Familie war ein Vorbild für Sie? Was haben Sie von dieser Person?"
  • Bündnis-Fragen: „Welche Familienmitglieder haben sich gegenseitig gehalten? Wer hat zu wem gestanden?"
  • Überlebens-Fragen: „Was hat die Familie durch schwere Zeiten getragen? Welche Eigenschaften, welche Geschichten, welche Rituale?"

Diese Fragen verändern die Tonlage des Gesprächs — und oft auch die Körperhaltung der Klient:in. Wer sich plötzlich an die Großmutter erinnert, die immer den Sonntagsbraten machte, sitzt anders im Stuhl als drei Minuten vorher.

Sichtbarkeit im Genogramm

Damit Ressourcen nicht nur im Gespräch bleiben, sondern auch im Bild auftauchen: positive Beziehungslinien gleichberechtigt eintragen — nicht nur Konflikte und Cutoffs. Eine grüne (oder dick gezeichnete) Linie zwischen Klient:in und Onkel ist genauso eine Information wie eine zackige Konfliktlinie zur Mutter.

Ein ausgewogenes Genogramm zeigt, woran ein Mensch hängt — nicht nur, woran er leidet. Das ist nicht nur freundlicher, es ist auch klinisch genauer.

Defizit-Brille versus Ressourcen-Brille im direkten Fragenvergleich
Zwei Brillen — Defizite und Ressourcen schließen sich nicht aus.

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