In der Medizin hat das Genogramm eine andere Karriere gemacht als in der Psychotherapie: leiser, nüchterner, aber nicht weniger wirkungsvoll. Als Werkzeug der Familienanamnese hilft es Ärzt:innen, hereditäre Erkrankungen früher zu erkennen.
Genogramm als medizinisches Instrument
Die Familienanamnese ist seit Jahrhunderten Teil der ärztlichen Praxis — aber erst das Genogramm macht sie zu einem diagnostischen Instrument. Statt einer Auflistung von Erkrankungen entsteht ein visuelles Bild: Wer ist an Herzerkrankungen gestorben? In welchem Alter? Über wie viele Generationen hinweg?
Besonders in der Hausarztmedizin und der genetischen Beratung hat sich das Genogramm als Standard etabliert. In den USA empfiehlt die US Surgeon General seit 2004 explizit den Einsatz von Family Health Portraits — strukturierten Genogrammen für die medizinische Anamnese.
Häufige Einsatzgebiete
Im klinischen Alltag werden medizinische Genogramme vor allem eingesetzt für:
- Erbkrankheiten: Identifikation von Risikofaktoren für genetisch bedingte Erkrankungen wie BRCA-Mutationen, familiäre Hypercholesterinämie oder hereditäre Krebssyndrome
- Kardiologie: Früherkennung erblicher Herzerkrankungen durch Analyse von Todesursachen in der Familiengeschichte
- Psychiatrie: Erfassung hereditärer psychischer Erkrankungen über mehrere Generationen
Digitale Genogramme in der Medizin
Für den medizinischen Einsatz gelten besondere Anforderungen an den Datenschutz: Patientendaten dürfen nur lokal und verschlüsselt gespeichert werden. GenoEasy erfüllt diese Anforderungen durch lokale AES-256-Verschlüsselung.
Ein weiterer Vorteil: Digitale Genogramme lassen sich leicht aktualisieren, wenn sich die Familiengeschichte ändert — ein neuer Krebsfall in der Familie, ein verändertes Risikoprofil. Das Genogramm wächst mit der Patientengeschichte.