„Woher kommt das?" – diese Frage stellt sich, wenn Symptome sich hartnäckig weigern, auf die üblichen Behandlungen anzusprechen, wenn Beziehungsmuster sich wiederholen, obwohl man sie durchschaut hat, und wenn das Gefühl nicht loslässt, dass die Antwort irgendwo in der Familiengeschichte liegt, auch wenn man nicht weiß wo. Dr. med. Birgit Hickey hat daraus eine Methode gemacht, die Genogrammanalyse und systemische Aufstellungen verbindet – und damit an die Stellen kommt, an die Worte allein nicht reichen.
Wer ist Birgit Hickey?
Dr. med. Birgit Hickey ist Ärztin und Diplom-Biologin, seit 1992 in eigener Praxis tätig, anerkannte Systemaufstellerin, Lehrtherapeutin und systemische Mediatorin. Ihre Ausbildungen umfassen systemische Familientherapie, familienbiografische Genogrammarbeit, systemische Strukturaufstellungen, lösungsfokussierte Kurztherapie und Hypnotherapie – eine Kombination, die darauf hindeutet, dass sie nicht aufgehört hat zu suchen, bis sie den Ansatz gefunden hat, der funktioniert.
Was ihren Ansatz besonders macht: Er verbindet die analytische Klarheit der Genogrammarbeit nach McGoldrick und Gerson mit der erfahrungsorientierten Kraft der systemischen Aufstellung. Das Genogramm zeigt das Muster, die Aufstellung macht es spürbar – und erst beides zusammen ermöglicht es, das Muster nicht nur zu verstehen, sondern zu verändern.
Der familienbiografisch-transgenerationale Ansatz
Hickeys Grundthese ist so beunruhigend wie einleuchtend: Viele Probleme, die sich einer rein individuellen Therapie hartnäckig entziehen, haben ihre Wurzeln in unerledigten Themen des Familiensystems. Transgenerationale Schicksalsbindungen – also unbewusste Loyalitäten zu früheren Generationen – können sich als körperliche Symptome, Beziehungsprobleme oder berufliche Blockaden manifestieren, und das Tückische daran ist, dass sie sich als „eigene" Probleme tarnen.
Die familienbiografische Genogrammanalyse erfasst systematisch:
- Schicksalsschläge: Frühe Todesfälle, Verluste, Vertreibung, Kriegstraumata und deren Weitergabe über Generationen.
- Verstrickungen: Unbewusste Identifikationen mit Familienmitgliedern, die ein schweres Schicksal erlitten haben.
- Unterbrochene Hinbewegungen: Beziehungsabbrüche, Adoptionen oder Familiengeheimnisse, die das System belasten.
- Wiederholungsmuster: Auffällige Parallelen bei Erkrankungen, Trennungen, Berufswahlmustern oder Lebenskrisen über mehrere Generationen.
Die Methodik: Vom Genogramm zur Aufstellung
Im familienbiografisch-transgenerationalen Ansatz nach Hickey ergänzen sich Genogrammanalyse und Aufstellungsarbeit in vier Phasen:
- Phase 1 – Genogramm erstellen: Systematische Erfassung der Familiengeschichte über mindestens drei Generationen. Dabei werden nicht nur Fakten gesammelt, sondern auch emotionale Qualitäten, Familiengeheimnisse und bedeutsame Lebensereignisse dokumentiert.
- Phase 2 – Muster analysieren: Gemeinsam mit der Klient:in werden transgenerationale Muster identifiziert. Wo wiederholen sich Themen? Welche Parallelen bestehen zwischen dem aktuellen Problem und Ereignissen in früheren Generationen?
- Phase 3 – Aufstellung durchführen: Die im Genogramm identifizierten Hypothesen werden in einer systemischen Aufstellung erfahrbar gemacht. Stellvertreter oder Symbole repräsentieren Familienmitglieder und deren Beziehungen zueinander.
- Phase 4 – Integration: Die Erkenntnisse aus Genogrammanalyse und Aufstellung werden zusammengeführt. Lösungsbilder entstehen, die die Klient:in aus transgenerationalen Verstrickungen befreien können.
Anwendungsgebiete
Der Ansatz von Hickey wird in verschiedenen therapeutischen und beraterischen Kontexten eingesetzt:
- Therapieresistente Symptome: Körperliche oder psychische Beschwerden, die sich einer klassischen Behandlung entziehen, können durch transgenerationale Verstrickungen bedingt sein.
- Beziehungsmuster: Wiederkehrende Konflikte, Trennungen oder Schwierigkeiten in Partnerschaften, die sich trotz Paartherapie nicht auflösen.
- Erziehungsfragen: Eltern, die in der Erziehung auf Muster zurückfallen, die sie eigentlich vermeiden wollten.
- Berufliche Blockaden: Unerklärliche Schwierigkeiten im Beruf oder bei der Selbstverwirklichung, die mit familiären Loyalitäten zusammenhängen können.
Dr. med. Birgit Hickey: „Wie die Familie unser Leben bestimmt – Genogramm und systemische Aufstellungen". Carl-Auer Verlag, 2. Auflage 2024, 359 Seiten, 78 Abbildungen. ISBN 978-3-8497-0443-8. Preis: 49,00 EUR.
Das Praxisbuch beschreibt anhand zahlreicher Fallbeispiele, wie familienbiografische Genogrammanalyse und systemische Aufstellungen in der therapeutischen Praxis verbunden werden. Es richtet sich an Therapeut:innen, Berater:innen und alle, die verstehen möchten, wie die Familiengeschichte unser gegenwärtiges Leben beeinflusst.
Genogrammarbeit live erleben: Seminar in Berlin
Wer den Ansatz von Dr. Birgit Hickey in der Praxis erleben möchte, hat dazu bei Systemisch.Weiter.Denken. Gelegenheit. In Einführungsseminaren und Praxis-Workshops arbeitet Hickey live mit Genogrammen und systemischen Aufstellungen – eine einzigartige Möglichkeit, die Methodik am eigenen Familiensystem zu erfahren.
Veranstalter: Systemisch.Weiter.Denken. | Ort: SIBUZ Kreuzberg, Berlin | Einführung (Fr 16–20 Uhr) und Praxisworkshop (Sa/So ganztags).
Digitale Genogramme für die Praxis
Ob in der Vorbereitung auf ein Seminar, in der therapeutischen Einzelarbeit oder in der Supervision – ein digitales Genogramm erleichtert die familienbiografische Analyse erheblich. Muster lassen sich farblich markieren, Änderungen sind jederzeit möglich, und das fertige Genogramm kann als PDF exportiert werden, was spätestens dann wichtig wird, wenn man es in der Supervision vorstellen möchte.
GenoEasy wurde für genau diesen Bedarf entwickelt: standardkonforme Symbole, verschlüsselte Speicherung sensibler Daten und eine Bedienung, die ohne Handbuch auskommt. Weil das Werkzeug im Hintergrund bleiben sollte, damit die therapeutische Arbeit im Vordergrund stehen kann.
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