Jedes Genogramm hat einen Mittelpunkt, und dieser Mittelpunkt ist nicht zufällig gewählt. Die Index-Person bestimmt, wessen Geschichte erzählt wird — und damit auch, wessen Geschichte nicht erzählt wird.
Definition
Die Index-Person — auch Indexperson, Klient oder Probandin genannt — ist die Person, deren Familiensystem im Zentrum der Untersuchung steht. In der Beratung ist das in der Regel die Person, die gekommen ist. In der Forschung kann es eine ausgewählte Bezugsperson sein. Markiert wird sie durch einen doppelten Rand um das Standardsymbol (Quadrat oder Kreis).
Diese Markierung ist mehr als kosmetisch: Sie legt die Perspektive fest. Alle Beziehungsangaben — eng, distanziert, konfliktreich — beziehen sich auf die Wahrnehmung der Index-Person, nicht auf eine objektive Realität.
Wechsel der Perspektive
In Familientherapien mit mehreren Klient:innen stellt sich die Frage: Wer ist die Index-Person? Die Antwort hängt vom Setting ab:
- Paartherapie: oft zwei Index-Personen, doppelt markiert — beide Perspektiven werden parallel gezeichnet.
- Familientherapie: häufig das „identifizierte Symptomträger-Kind", auch wenn das System die eigentliche Klient:in ist.
- Supervision: die Fachkraft selbst, deren professionelle Verstrickung untersucht wird.
Bei Perspektivwechsel innerhalb desselben Falls empfiehlt es sich, zwei Versionen des Genogramms zu führen — nicht eine Version mit zwei Markierungen, die das Zentrum verwischt.
Zentrierung
Die Index-Person sollte konsequent in der mittleren Generation und horizontal mittig platziert werden. Das ist nicht nur Konvention, sondern Lesehilfe: Wer den Blick auf das Genogramm wirft, soll innerhalb von Sekunden erkennen, um wen es geht.
Eine versteckte oder dezentrale Index-Person ist ein häufiger Anfängerfehler — und meistens ein Zeichen, dass die erstellende Person selbst noch unklar darüber war, wessen Geschichte sie zeichnet.