Wenn die biologische Linie nicht mit der sozialen Linie zusammenfällt, kommen die Sonderzeichen des Genogramms ins Spiel — und mit ihnen Fragen, die nicht zeichnerischer, sondern ethischer Natur sind.
Adoption
Adoptivkinder werden mit einer gestrichelten Linie zu den Adoptiveltern verbunden. Die biologischen Eltern werden, wenn bekannt, ebenfalls eingezeichnet — mit durchgezogener Linie zum Kind. So zeigt das Genogramm beide Familiensysteme gleichzeitig, ohne eines zu privilegieren.
Bei unbekannten biologischen Eltern werden leere Symbole mit dem Vermerk „unbekannt" verwendet. Eine vollständige Unterdrückung der biologischen Linie ist methodisch fragwürdig: Auch das Nichtwissen ist ein systemischer Faktor.
Pflege und Stiefkinder
Pflege- und Stiefkind-Konstellationen werden ähnlich behandelt, aber mit Unterschieden:
- Pflegekind: gestrichelte Linie zu Pflegeeltern, durchgezogene zu biologischen Eltern. Aufenthaltsdauer oft als Beschriftung.
- Stiefkind: durchgezogene Linie zum biologischen Elternteil, gestrichelte Linie zur Stiefeltern-Person.
- Co-Parenting: komplexer — als praktische Erweiterung über den McGoldrick-Standard hinaus können mehrere durchgezogene Linien gezogen werden, wenn beide leiblichen Eltern aktiv beteiligt sind.
Patchwork-Konstellationen verlangen meistens mehr Platz auf der Zeichenfläche, als Anfänger erwarten. Großzügig planen ist kein Luxus.
Die heikle Frage
Was darf ins Genogramm? Die Antwort ist nicht zeichnerisch, sondern ethisch. Bei bekannter, aber von der Klient:in geheim gehaltener Abstammung gilt: nichts ohne Einwilligung dokumentieren. Bei unbekannter Abstammung gilt: das Nichtwissen ehrlich markieren, nicht spekulieren.
Bei Kindern und Jugendlichen ist besondere Vorsicht geboten: Eine geöffnete Abstammungsfrage gehört nicht in eine Genogrammsitzung, sondern in einen sorgfältig vorbereiteten Aufklärungsprozess. Das Genogramm bildet ab, was bekannt ist — es ist kein Ort, an dem Geheimnisse zum ersten Mal ausgesprochen werden sollten.